Wie funktioniert das Altersvorsorgedepot?
Sie haben vom Altersvorsorgedepot gehört, wissen aber noch nicht genau, wie Ihr Geld darin eigentlich arbeitet und wie viel am Ende beim Staat, wie viel bei Ihnen landet? Gehen wir es gemeinsam Schritt für Schritt durch.
Die gesetzliche Rente allein reicht für die meisten Menschen im Alter nicht, und die bisherigen Fördermodelle haben diese Lücke oft nicht geschlossen. Jetzt hat der Gesetzgeber nachgelegt: Ab dem 1. Januar 2027 startet mit dem Altersvorsorgedepot eine neue Form der staatlich geförderten Altersvorsorge in Deutschland. Die Anlage erfolgt in ETFs oder Fonds statt in Versicherungsgarantien, die Förderung fällt bis zu dreimal höher aus als bei Riester, und erstmals steht das Modell auch Selbstständigen offen.
Das Wichtigste in Kürze
Das Altersvorsorgedepot läuft in zwei Phasen: Ansparphase (einzahlen und am Kapitalmarkt anlegen) und Auszahlphase ab frühestens 65 Jahren.
Der Staat fördert beitragsproportional mit bis zu 540 Euro Grundzulage pro Jahr. Die Zulagen fließen direkt ins Depot und werden dort mit investiert.
Alle Erträge in der Ansparphase bleiben vollständig steuerfrei (EET-Prinzip): keine Abgeltungsteuer, keine Vorabpauschale, steuerfreie Umschichtungen.
Das Gesetz sieht drei Produktvarianten vor: freies Altersvorsorgedepot, Standarddepot und Garantieprodukt.
Das Depot ist zweckgebunden für die Altersvorsorge: Entnahmen vor dem 65. Geburtstag gelten als förderschädliche Verwendung und verpflichten zur Rückzahlung von Zulagen und Steuervorteilen.
Kurz gesagt: Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot, das ab dem 1. Januar 2027 als Riester-Nachfolger eingeführt wird. Es funktioniert nach dem EET-Prinzip (Exempt-Exempt-Taxed): Einzahlungen und sämtliche Erträge in der Ansparphase sind steuerbefreit, besteuert wird erst die Auszahlung im Ruhestand. Für die volle Steuerfreiheit gilt die 12/65-Regel: Der Vertrag muss mindestens 12 Jahre laufen und die Auszahlung darf frühestens mit dem vollendeten 65. Lebensjahr beginnen. Laut Bundesfinanzministerium (2026) wurde das Gesetz am 27. März 2026 im Bundestag beschlossen und am 8. Mai 2026 vom Bundesrat bestätigt.
Das Grundprinzip des Altersvorsorgedepots: zwei Phasen, ein Ziel
Das Altersvorsorgedepot ist kein normales Wertpapierdepot. Es ist ein staatlich zertifizierter Vorsorgevertrag mit zwei klar getrennten Abschnitten: der Ansparphase während des Erwerbslebens und der Auszahlphase im Ruhestand. Das angesparte Kapital ist zweckgebunden und darf während der Ansparphase grundsätzlich nicht entnommen werden.
Anders als beim Sparkonto liegt das Geld nicht als Einlage, sondern wird direkt am Kapitalmarkt in Wertpapiere wie ETFs und Fonds investiert. Das Ziel ist Vermögensaufbau über Jahrzehnte mit realer Renditechance statt nominalem Zins.
Phase 1: Die Ansparphase
In der Ansparphase durchläuft Ihr Geld drei Stationen. Schauen wir sie uns einzeln an.
Wie die Einzahlung funktioniert
Sie zahlen per monatlichem Sparplan oder als Einmalbetrag in Ihr Altersvorsorgedepot ein. Wer mindestens 120 € pro Jahr einzahlt, bekommt staatliche Zulagen. Den größten Fördereffekt erreichen Sie mit einem jährlichen Eigenbeitrag von 1.800 €. Bis zu dieser Grenze fördert der Staat beitragsproportional.
Einzahlen lassen sich bis zu 6.840 € pro Depot und Jahr. Diese Überzahlungen werden nicht durch Zulagen gefördert, profitieren aber weiterhin von der Steuerstundung in der Ansparphase.
Wie die staatlichen Zulagen ins Depot kommen
Die staatliche Förderung ist beitragsproportional. Für die ersten 360 € Eigenbeitrag im Jahr gibt es 50 Cent Zulage pro eingezahltem Euro, also bis zu 180 €. Für jeden weiteren Euro bis zum Jahresbeitrag von 1.800 € beträgt die Zulage 25 Cent, also bis zu 360 €. Zusammen ergibt das eine maximale Grundzulage von 540 € im Jahr. Haben Sie kindergeldberechtigte Kinder, kommt pro Kind eine Kinderzulage von bis zu 300 € hinzu.
Wichtig dabei: Die Zulagen landen nicht auf Ihrem Bankkonto. Sie fließen direkt in das Depot und werden dort zusammen mit Ihren Eigenbeiträgen in die gewählten Wertpapiere investiert. Damit sind sie nicht nur eine Prämie, sondern arbeiten als zusätzlicher Renditehebel mit.
Wie das Geld am Kapitalmarkt arbeitet
Sobald Einzahlungen und Zulagen im Depot sind, werden sie in Wertpapiere investiert. Erlaubt sind Fonds und ETFs bis Risikoklasse 5 von 7 sowie Anleihen und ähnliche Instrumente. Einzelaktien, Kryptowährungen und komplexe Derivate sind ausgeschlossen.
In der Ansparphase fallen für Sie keine Steuern an. Kursgewinne, Dividenden und Umschichtungen innerhalb des Depots bleiben vollständig steuerfrei. Es gibt keine Abgeltungsteuer und keine Vorabpauschale, der Zinseszinseffekt arbeitet ungekürzt über Jahrzehnte. Was das für Ihre konkrete Steuerrechnung bedeutet, erklärt der Artikel zur Besteuerung des Altersvorsorgedepots.
Kurz zusammengefasst: In der Ansparphase zahlt man ein, der Staat legt bis zu 540 Euro Zulage drauf, und das gesamte Kapital wird steuerfrei am Kapitalmarkt investiert. Keine Abgeltungsteuer, keine Vorabpauschale, der Zinseszins arbeitet über Jahrzehnte ohne Abzüge.
Wie viel Förderung konkret für Sie zusteht, lässt sich mit unserem Förderrechner in wenigen Minuten selbst berechnen.
Phase 2: Die Auszahlphase ab 65
Die Auszahlphase beginnt frühestens mit dem vollendeten 65. Lebensjahr, spätestens mit dem vollendeten 70. Lebensjahr. Zu Beginn können Sie einmalig bis zu 30 % des angesparten Kapitals entnehmen. Den verbleibenden Betrag erhalten Sie dann entweder über einen Auszahlplan, der mindestens bis zum 85. Lebensjahr läuft, oder als lebenslange Leibrente.
Die Auszahlungen werden mit Ihrem persönlichen Einkommensteuersatz nachgelagert versteuert, also erst wenn das Geld fließt. Im Ruhestand ist dieser Satz meist niedriger als im Erwerbsleben. Sozialabgaben wie Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge fallen auf Auszahlungen aus dem Altersvorsorgedepot für KVdR-Pflichtversicherte (also gesetzlich Versicherte, die die Vorversicherungszeit für die Krankenversicherung der Rentner erfüllen) nicht an, das unterscheidet das Depot von der betrieblichen Altersvorsorge.
Drei Produktvarianten: Welche gibt es?
Nicht jedes Altersvorsorgedepot funktioniert gleich. Das Gesetz sieht drei Produktkategorien vor, die sich vor allem bei Garantie und Anlagefreiheit unterscheiden:
Freies Altersvorsorgedepot: Dieses Produkt verzichtet auf eine Beitragsgarantie und bietet volle Anlagefreiheit. Ihr Kapital kann zu 100 % in Aktien-ETFs oder -Fonds (aufgrund der geringeren Kostenquote sind ETFs zu bevorzugen) investiert werden. Damit sind die höchsten Renditechancen möglich, aber auch stärkere Schwankungen über die Laufzeit.
Standarddepot: Eine standardisierte Variante mit zwei vordefinierten Fonds – einem renditeorientierten und einem sicherheitsorientierten Baustein. Eigene Anlageentscheidungen sind hier nicht erforderlich. Ein automatisches Lebenszyklusmodell schichtet mit zunehmendem Alter schrittweise in den sichereren Fonds um. Für das Standarddepot gilt ein gesetzlicher Kostendeckel von einem Prozent Effektivkosten pro Jahr.
Garantieprodukt: Setzen Sie auf Kapitalerhalt, wählen Sie ein Produkt mit 80- oder 100-prozentiger Beitragsgarantie. Die Garantie begrenzt allerdings die mögliche Aktienquote und damit die Renditechancen.
Kurz zusammengefasst: Das freie Depot maximiert die Renditechancen, das Standarddepot nimmt die Anlageentscheidung ab, das Garantieprodukt sichert das eingezahlte Kapital. Alle drei Varianten folgen denselben gesetzlichen Regeln für Einzahlung, Förderung und Auszahlung.
Was bringt Ihnen das Altersvorsorgedepot?
Förderung, Steuervorteil und möglicher Depotwert in unter einer Minute und mit Ihren eigenen Zahlen.
Altersvorsorgedepot vs. normaler ETF-Sparplan: Der Unterschied auf einen Blick
Investieren Sie schon in einen ungeförderten ETF-Sparplan, fragen Sie sich zu Recht, was das Altersvorsorgedepot mechanisch anders macht. Die drei wichtigsten Unterschiede:
Staatliche Zulage: Im Altersvorsorgedepot fallen in der Ansparphase keine Abgeltungsteuer und keine Vorabpauschale an, Ihr Kapital wächst über Jahrzehnte ungeschmälert. Im normalen ETF-Depot wird die Vorabpauschale jährlich fällig, und Gewinne beim Verkauf unterliegen sofort der Abgeltungsteuer.
Bindung: Das Altersvorsorgedepot ist an den Rentenbeginn gebunden. Entnahmen vor dem 65. Geburtstag sind grundsätzlich möglich, gelten aber als förderschädliche Verwendung und verpflichten zur Rückzahlung von Zulagen und Steuervorteilen. Einen normalen ETF-Sparplan können Sie jederzeit ohne Konsequenzen auflösen.
Kurz: Der mechanische Vorteil gegenüber einem ungeförderten ETF-Sparplan liegt in zwei Punkten, der staatlichen Zulage und der Steuerstundung in der Ansparphase. Gehen Sie die langfristige Bindung ein, bekommen Sie im Gegenzug staatliche Förderung und steuerfreies Kapitalwachstum über Jahrzehnte.
Ob sich das für Ihre eigene Situation lohnt, erklärt der Artikel zu den Vorteilen und Nachteilen des Altersvorsorgedepots.
Fazit
Das Altersvorsorgedepot folgt einem klaren Prinzip: Sie zahlen ein, erhalten staatliche Zulagen, legen das Kapital steuerfrei am Markt an und lassen es sich im Ruhestand auszahlen. Wie viel am Ende auf Ihrem Konto liegt, hängt vor allem von drei Faktoren ab: Ihrer Sparrate, dem gewählten Produkt und den Kosten des Anbieters.
Die ersten Anbieter starten am 1. Januar 2027. Wir informieren Sie, sobald die Produkte live sind, damit Sie direkt vergleichen können.
FAQ zum Altersvorsorgedepot
Wie kommen die staatlichen Zulagen ins Altersvorsorgedepot?
Die Zulagen werden nach Beantragung direkt in das Depot eingezahlt, nicht auf das Bankkonto. Dort werden sie automatisch in die gewählten ETFs oder Fonds investiert und wachsen zusammen mit den Eigenbeiträgen. Der Zulageantrag muss jährlich gestellt werden; wie das Verfahren beim Altersvorsorgedepot konkret abläuft, setzen die Anbieter mit Marktstart im Januar 2027 um.
Was bedeutet das EET-Prinzip beim Altersvorsorgedepot?
EET steht für Exempt-Exempt-Taxed. Die Einzahlungen und sämtliche Erträge in der Ansparphase sind steuerbefreit (zweimal Exempt), versteuert wird erst die Auszahlung im Alter (Taxed). Das heißt: Kursgewinne, Dividenden und Umschichtungen innerhalb des Depots bleiben über die gesamte Ansparphase vollständig steuerfrei. Erst wenn im Ruhestand Geld ausgezahlt wird, greift der persönliche Einkommensteuersatz, der im Alter meist niedriger ist als im Erwerbsleben.
Wie funktioniert die Steuerstundung beim Altersvorsorgedepot konkret?
Im Altersvorsorgedepot fallen in der Ansparphase weder Abgeltungsteuer noch Vorabpauschale an. Umschichtungen innerhalb des Depots sind ebenfalls steuerfrei möglich. Das gesamte Kapital einschließlich aller Erträge wächst deshalb über die gesamte Laufzeit ohne Steuerabzüge weiter. Die Steuer wird nachgelagert erhoben, erst bei der Auszahlung im Ruhestand und auf Basis des dann geltenden Steuersatzes.
Ab wann kann ich das Geld aus dem Altersvorsorgedepot entnehmen?
Die reguläre Auszahlphase beginnt frühestens ab dem vollendeten 65. Lebensjahr. Spätestens mit dem vollendeten 70. Lebensjahr muss die Auszahlphase gestartet werden. Wer wegen langer Beitragsjahre schon vor dem 65. Geburtstag eine gesetzliche Altersrente bezieht, kann die Auszahlung des Depots zeitgleich starten.
Was passiert beim Altersvorsorgedepot, wenn ich vor dem 65. Geburtstag auf das Geld zugreife?
Eine vorzeitige Entnahme gilt grundsätzlich als förderschädliche Verwendung. In diesem Fall müssen alle erhaltenen staatlichen Zulagen sowie die in Anspruch genommenen Steuervorteile zurückgezahlt werden. Zusätzlich werden aufgelaufene Erträge nachversteuert. Es gibt Ausnahmen, etwa für selbstgenutztes Wohneigentum unter bestimmten Voraussetzungen.
Über den Autor
Rolf Henning Hackel
Jurist & Marktexperte · AVD Vergleich
Rolf Henning Hackel ist Diplom-Jurist und seit über 22 Jahren als Vorstand und Geschäftsführer für unterschiedliche Softwaredienstleister der Finanzbranche sowie als Unternehmensgründer tätig. Als absoluter Marktexperte kennt er nicht nur die verschiedenen Anbieter, sondern auch die Produkte der Finanzindustrie mit ihren Stärken und Schwächen sowie deren regulatorischen Rahmen. Beim AVD Vergleich schreibt er über das neue Altersvorsorgedepot und erklärt Förderung, Anbieter und Renditechancen in verständlichen Worten – unabhängig und werbefrei.