Altersvorsorgedepot vs. Rürup-Rente: was lohnt sich für Selbstständige?

Ab 2027 können Selbstständige zwischen zwei staatlich geförderten Vorsorgeprodukten wählen: dem neuen Altersvorsorgedepot oder der bewährten Rürup-Rente (Basisrente). Welche Variante passt zu welchem Lebensmodell?

Worin liegt der Unterschied?

Beide Produkte folgen dem Prinzip der nachgelagerten Besteuerung. Doch sie unterscheiden sich grundlegend in Förderhöhe, Auszahlungsform und Vererbbarkeit. Das Altersvorsorgedepot ist flexibel und vererbbar, die Rürup-Rente bietet höhere Steuervorteile, ist aber starrer.

Vergleichstabelle

Merkmal Altersvorsorgedepot Rürup-Rente
Förderberechtigt alle, inkl. Selbstständige vor allem Selbstständige
Höchstbeitrag (geförderter Topf) 1.800 € Eigenbeitrag + 540 € Zulage ~ 29.344 € (2026, Ledige), ~ 58.688 € (Ehepaare)
Zulagen (cash) Grundzulage + Kinderzulage keine direkten Zulagen
Steuerlich absetzbar bis 1.800 € Sonderausgaben 100 % der Beiträge bis Höchstgrenze
Anlage ETFs, Fonds, Anleihen Fondspolice oder klassisch
Beitragsgarantie optional oft 100 %
Auszahlung Leibrente oder Auszahlplan bis 85 Leibrente Pflicht
Vererbbar ja nicht direkt, nur Hinterbliebenenrente
Beleihbar nicht freigegeben nein
Pfändungsschutz ja (Ansparphase) ja

Was ist der Hauptunterschied?
AVD bedeutet Flexibilität, Vererbung und Zulagen. Rürup bringt höhere Steuervorteile bei hohem Einkommen.

Wann passt das Altersvorsorgedepot?

  • Sie verdienen bis ~70.000 € pro Jahr.
  • Sie wollen Flexibilität in der Auszahlphase (Auszahlplan bis 85).
  • Sie haben Kinder und wollen Kinderzulage mitnehmen.
  • Sie möchten, dass Restkapital vererbbar ist.
  • Sie sind unter 25 Jahre alt und wollen den Berufseinsteigerbonus.

Wann passt die Rürup-Rente?

  • Sie verdienen deutlich über 70.000 € Gewinn jährlich.
  • Sie wollen maximalen Steuervorteil nutzen.
  • Sie haben kein Problem mit einer reinen Leibrente.
  • Sie brauchen keinen Pfändungsschutz, der im AVD enthalten ist.
  • Hohe Beiträge / Sonderzahlungen sind möglich (Einmalbeiträge sinnvoll).

Beides kombinieren?

Ja, das ist sogar oft die beste Strategie für Selbstständige mit hohem Einkommen:

  1. Altersvorsorgedepot bis 1.800 €/Jahr ausschöpfen, sichert Grundzulage und Steuerabzug.
  2. Rürup-Rente als zusätzlichen, hochvolumigen Steuer-Hebel nutzen.
  3. Privates ETF-Depot für Flexibilität bei kurz-/mittelfristigem Kapitalbedarf.

Welche Variante bringt Ihnen mehr? Vergleichen Sie Förderung und Steuerersparnis im Förder-Rechner, bevor Sie sich für ein Modell entscheiden.

Praxis-Beispiele

Lena, 32, Grafikdesignerin, 55.000 € Gewinn. Empfehlung: nur Altersvorsorgedepot. Die volle Grundzulage von 540 € + Steuerersparnis schlägt die starre Rürup-Versicherung in ihrer Einkommensklasse.

Dr. Marcus, 48, IT-Berater, 180.000 € Gewinn. Empfehlung: Kombination. Altersvorsorgedepot für die Grundförderung + 20.000 €/Jahr Rürup für maximale Steuerersparnis. Bei seinem Grenzsteuersatz spart er fast 8.000 € Einkommensteuer pro Jahr.

Familie Schwarz, beide selbstständig, 2 Kinder. Empfehlung: Jeder ein Altersvorsorgedepot (Zulagen mitnehmen). Falls Einkommen hoch genug, einer zusätzlich Rürup.

Häufige Fragen zum Vergleich

Kann ich Rürup in ein Altersvorsorgedepot übertragen?

Nein. Rürup und Altersvorsorgedepot sind getrennte Vorsorgesäulen.

Ist die Rürup-Rente vererbbar?

Nicht direkt. Nur eine optional vereinbarte Hinterbliebenenrente für Ehepartner und Kinder ist möglich.

Welcher Steuersatz wird angesetzt?

Beide Produkte folgen der nachgelagerten Besteuerung, Auszahlungen werden mit dem persönlichen Einkommensteuersatz im Ruhestand versteuert.

Lohnt sich Rürup mit Garantie?

Bei langen Restlaufzeiten meist nicht, weil die Garantie viel Rendite kostet. Ohne Garantie ist die Rürup-Fondspolice schneller wettbewerbsfähig.

Was passiert bei Auswanderung?

Innerhalb der EU/des EWR bleiben beide Produkte erhalten. Bei Wegzug in Drittländer können Förderrückzahlungen oder steuerliche Sonderregeln greifen.

Kann ich Rürup-Beiträge zwischen den Jahren verschieben?

Ja, Sonderzahlungen sind im selben Jahr steuerlich nutzbar, gut für Jahre mit hohem Gewinn.

Muss ich mich für eines entscheiden?
Für die meisten Selbstständigen ist nicht „entweder oder”, sondern eine Kombination die optimale Strategie.

Stand: Juni 2026.

Offizielle Quellen und weiterführende Informationen