Standardprodukt: das günstige Basisdepot im Altersvorsorgedepot
Das Standardprodukt ist ein gesetzlich vorgeschriebenes Basisangebot, das jeder Anbieter eines Altersvorsorgedepots verpflichtend anbieten muss. Es ist besonders einfach, transparent und in den Kosten gedeckelt, maximal 1 % Effektivkosten pro Jahr.
Inhaltsverzeichnis
Was ist das Standardprodukt?
Eine im Gesetz definierte Mindest-Variante des Altersvorsorgedepots, die jeder Anbieter verpflichtend offerieren muss, entweder selbst oder über Kooperation. Sie hat festgelegte Eckpfeiler bei Anlagestrategie, Kosten und Ablauf, damit Verbraucher Angebote einfach vergleichen können.
Wer bietet das Standardprodukt an?
Alle vom Bundeszentralamt für Steuern zertifizierten Anbieter: Banken, Direktbanken, Sparkassen, Genossenschaftsbanken, Neobroker, Fondsgesellschaften und Versicherer. Sie dürfen daneben auch teurere Premium-Varianten anbieten, aber das Standardprodukt ist Pflicht.
Was ist das Standardprodukt genau?
Das Standardprodukt ist die solide Basis-Wahl mit Kosten-Garantie. Pflicht für jeden Anbieter.
Wie funktioniert das Standardprodukt?
Das Standardprodukt setzt auf eine voreingestellte, kostengünstige Anlagestrategie. In der Praxis bedeutet das in der Regel:
- Breit gestreuter Welt-ETF (z. B. MSCI World oder FTSE All-World).
- Automatisches Rebalancing.
- Lebenszyklusmodell: Hohe Aktienquote in jungen Jahren, schrittweise Umschichtung in defensivere Anlagen vor Rentenbeginn (optional).
- Standard-Auszahlphase: meist Auszahlplan bis 85 als Default.
Wie hoch sind die Kosten?
Die Effektivkosten dürfen 1 % p. a. nicht überschreiten. Eingerechnet sind:
- Depotgebühren
- Fondskosten (TER der enthaltenen ETFs / Fonds)
- Ausgabeaufschläge / Transaktionskosten
- Verwaltungskosten in der Auszahlphase
Anbieter dürfen die Effektivkosten allerdings unterschreiten. Manche reine ETF-Standardprodukte werden voraussichtlich für 0,3–0,6 % p. a. zu haben sein.
Wann lohnt sich das Standardprodukt?
Für Einsteiger, Bequeme und alle, die möglichst geringe Kosten wollen, ohne sich tief mit Wertpapieren auseinanderzusetzen. Wer eigene ETF-Auswahl und Strategien bevorzugt, sollte ein Premium-Produkt oder ein Selbstwahl-Depot in Betracht ziehen.
Warum hat der Gesetzgeber das Standardprodukt eingeführt?
Riester hatte ein Problem mit hohen Abschluss- und Verwaltungskosten. Das Standardprodukt sorgt für einen kostengedeckelten Einstiegspunkt, an dem sich auch Premium-Anbieter messen lassen müssen. Es ist damit ein Schutzinstrument für Verbraucher und eine politische Antwort auf jahrelange Kritik der Verbraucherschützer.
Wer profitiert vom Standardprodukt?
Sarah, 30, Einsteigerin, ohne Wertpapier-Erfahrung. Wählt das Standardprodukt einer Direktbank mit 0,4 % Effektivkosten und einem MSCI-World-ETF. Spart 150 €/Monat. Aufwand: ein Sparplan, einmal eingerichtet. Über 30 Jahre rund 180.000 € Endkapital bei 6 % Rendite.
Marc, 50, möchte Premium-Auswahl. Wählt stattdessen das Premium-Produkt mit 50+ ETFs zur freien Auswahl. Höhere Kosten (0,9 %), aber individuelle Strategie.
Häufige Fragen zum Standardprodukt
Ist das Standardprodukt immer das beste Angebot?
Nicht zwingend. Gute Premium-Produkte können mit aktivem Management oder Spezial-ETFs punkten, sind aber meist teurer. Für reine ETF-Anleger ist das Standardprodukt oft die günstigste Wahl.
Kann ich die ETF-Auswahl beim Standardprodukt selbst bestimmen?
Begrenzt. Anbieter dürfen eine Liste vorgeben. Wer freie Auswahl will, braucht typischerweise das Premium-Produkt desselben Anbieters.
Was passiert mit dem Standardprodukt bei einem Anbieterwechsel?
Das Guthaben wird übertragen. Der neue Anbieter bietet entweder sein eigenes Standardprodukt oder ein gleichwertiges Premium-Produkt zur Wahl an.
Kann ich zwischen Standard- und Premium-Produkt wechseln?
Beim selben Anbieter ist das typischerweise möglich, beim Anbieterwechsel sowieso.
Ist das Standardprodukt zwingend ein ETF-Sparplan?
Nicht zwingend, Anbieter können auch aktive Fonds oder klassische Versicherungen als Standardprodukt anbieten, solange Kostendeckel und Mindestanforderungen erfüllt sind.
Ist die Beitragsgarantie im Standardprodukt enthalten?
Nein, das Standardprodukt darf gerade ohne Garantie auskommen, um die volle Aktienquote zu ermöglichen.
Für wen eignet es sich am besten?
Für Selbstentscheider mit ETF-Kenntnis oft die rendite- und kostenoptimale Variante.
Stand: Juni 2026.
Offizielle Quellen und weiterführende Informationen
- Bundesministerium der Finanzen, FAQ zur Reform der privaten Altersvorsorge
- Bundesregierung, Reform private Altersvorsorge
- Deutscher Bundestag, Beschluss Altersvorsorgedepot (KW 13/2026)
- Bundestag-Drucksache 21/4088 (PDF)
- Deutsche Rentenversicherung, Reform-Meldung
- Stiftung Warentest, Altersvorsorgedepot
- Verbraucherzentrale, Neues Altersvorsorgedepot: Chance oder Verkaufsfalle?