Riester ins Altersvorsorgedepot übertragen: So geht der Wechsel Schritt für Schritt
Millionen Menschen haben einen Riester-Vertrag und viele fragen sich, ob sie ihn ins neue Altersvorsorgedepot mitnehmen sollen. Die gute Nachricht: Der Übertrag ist möglich, ohne dass Sie Ihre Förderung verlieren. Ein paar Dinge sollten Sie aber vorher wissen, sonst wird aus einem cleveren Wechsel ein teurer Fehler. Hier die wichtigsten Schritte und Fallstricke.
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Das Wichtigste in Kürze
- Der Übertrag ins Altersvorsorgedepot ist förderunschädlich, Zulagen und Steuervorteile bleiben erhalten.
- Er läuft über ein formloses Schreiben an den neuen Anbieter, die Zustimmung des alten brauchen Sie nicht.
- Die Wechselgebühr ist beim alten Anbieter auf 150 Euro in den ersten fünf Jahren gedeckelt, danach ist der Übertrag kostenlos. Gegebenenfalls kann auch der neue Anbieter bis zu 150 € für den Übernahmeprozess veranschlagen.
- Vorsicht bei Wohn-Riester und bei Altverträgen mit hohem Garantiezins.
In vier Schritten zum Wechsel
Der Ablauf ist einfacher, als viele denken. In dieser Reihenfolge gehen Sie vor.
Zuerst prüfen Sie, ob sich der Wechsel überhaupt lohnt. Danach wählen Sie ein passendes Altersvorsorgedepot beim Anbieter Ihrer Wahl. Dann schicken Sie diesem ein formloses Schreiben mit dem Auftrag, Ihr Riester-Guthaben zu übertragen, und geben nur Ihren bisherigen Anbieter, das Produkt und die Vertragsnummer an. Den Rest klären neuer Anbieter und Zulagenstelle unter sich. Sie müssen den alten Vertrag nicht selbst kündigen und brauchen auch keine Zustimmung des Altanbieters.
Was der Wechsel kostet
Kostenlos ist der Übertrag nicht immer, aber günstig. Ist der Vertrag älter als 5 Jahre , ist der Übertrag des Guthabens vom alten Riester-Anbieter kostenlos. Ist der bestehende Vertrag 5 Jahre alt oder jünger, darf der alte Anbieter eine Wechselgebühr von maximal 150 € erheben. Gegebenenfalls kann auch der neue Depot-Anbieter eine einmalige Pauschale von bis zu 150 € für den Übernahmeprozess verlangen (je nach Anbieter ist dies aber oft auch günstiger oder sogar kostenfrei).
Sonderfall Wohn-Riester
Ein Wohn-Riester lässt sich nicht direkt ins Altersvorsorgedepot übertragen. Die beiden Modelle funktionieren zu unterschiedlich, das eine steckt in Ihrer Immobilie, das andere im Depot. Sie können den Wohn-Riester aber ruhen lassen und trotzdem ein neues Altersvorsorgedepot besparen. Auch das bleibt förderunschädlich.
Vorsicht bei hohem Garantiezins
Hier liegt der größte Stolperstein. Wer einen alten Riester-Vertrag von vor 2004 hat, sichert sich oft einen Garantiezins von 2,75 Prozent oder mehr. Diesen Zins geben Sie beim Wechsel auf und das kann teuer sein. Bei neueren Verträgen mit einem Garantiezins nahe null fällt dieser Verlust dagegen kaum ins Gewicht. Prüfen Sie also unbedingt, was in Ihrem Vertrag steht, bevor Sie wechseln.
Was bringt Ihnen das Altersvorsorgedepot?
Förderung, Steuervorteil und möglicher Depotwert in unter einer Minute und mit Ihren eigenen Zahlen.
Die häufigsten Fehler beim Wechsel
Drei Fehler werden leider immer wieder gemacht. Der häufigste ist, den alten Vertrag zu kündigen, statt ihn zu übertragen, denn wer kündigt, muss die erhaltene Förderung zurückzahlen, beim Übertrag bleibt sie. Fehler zwei ist der übersehene Garantiezins. Gerade alte Verträge tragen manchmal Zinsversprechen, die heute Gold wert sind. Und Fehler drei ist, blind dem billigsten Anbieter zu folgen. Billig allein reicht eben nicht.
Lohnt sich der Wechsel für Sie?
Ob sich der Umstieg rechnet, hängt an drei Dingen: den Kosten Ihres alten Vertrags, der Restlaufzeit und einem eventuellen Garantiezins. Wer einen teuren, renditeschwachen Vertrag hat, gewinnt mit dem Altersvorsorgedepot oft deutlich. Wer eine hohe Garantie hält, sollte genau rechnen. Auf unserer Seite zum Riester-Wechsel helfen wir Ihnen dabei, Ihren Fall einzuordnen.
Fazit
Der Übertrag ist unkomplizierter, als sein Ruf vermuten lässt. Ein formloses Schreiben genügt, die Förderung bleibt, und die Kosten sind gedeckelt. Zwei Fälle verlangen aber genaues Hinsehen: Wohn-Riester und Altverträge mit hohem Garantiezins. Wer diese beiden im Blick hat, kann den Wechsel in Ruhe angehen, sobald die ersten Altersvorsorgedepots 2027 starten.
Quellen
- extraETF, „Riester behalten oder ins Altersvorsorgedepot wechseln?”
- finanzen.net, „Riester-Rente umwandeln: Übertragung ins Altersvorsorgedepot”
- pfefferminzia.de, „Riester ins AV-Depot übertragen, was zu beachten ist”
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung.
FAQ zu Riester ins AVD übertragen
Verliere ich beim Übertrag meine Zulagen?
Nein. Der Übertrag ins Altersvorsorgedepot ist förderunschädlich, Ihre bereits erhaltenen Zulagen und Steuervorteile bleiben vollständig erhalten.
Muss ich meinen alten Vertrag kündigen?
Nein. Ein formloses Schreiben an den neuen Anbieter genügt, der kümmert sich um den Rest. Eine Kündigung wäre sogar schädlich, weil Sie dann Förderung zurückzahlen müssten.
Was kostet der Wechsel?
In den ersten fünf Vertragsjahren höchstens 150 Euro, danach ist er kostenlos. Gegebenenfalls kann auch der neue Anbieter bis zu 150 € für den Wechsel veranschlagen.
Kann ich meinen Wohn-Riester übertragen?
Nein, ein Wohn-Riester lässt sich nicht direkt ins Altersvorsorgedepot übertragen. Sie können ihn aber ruhen lassen und daneben ein Depot besparen.
Ab wann ist der Übertrag möglich?
Ab dem 1. Januar 2027, sobald die ersten Altersvorsorgedepots verfügbar sind.
Über den Autor
Rolf Henning Hackel
Jurist & Finanzmarktexperte · AVD Anbieter Vergleich
Rolf Henning Hackel ist Diplom-Jurist und seit über 22 Jahren als Vorstand und Geschäftsführer für unterschiedliche Softwaredienstleister der Finanzbranche sowie als Unternehmensgründer tätig. Als absoluter Marktexperte kennt er nicht nur die verschiedenen Anbieter, sondern auch die Produkte der Finanzindustrie mit ihren Stärken und Schwächen sowie deren regulatorischen Rahmen. Beim AVD Anbieter Vergleich schreibt er über das neue Altersvorsorgedepot und erklärt Förderung, Anbieter und Renditechancen in verständlichen Worten – unabhängig und werbefrei.