Rendite im Altersvorsorgedepot: was realistisch drin ist
Die Rendite ist der prozentuale Ertrag einer Geldanlage pro Jahr. Im Altersvorsorgedepot hängt sie stark von der gewählten Variante ab: Aktien-ETFs bringen langfristig 6 bis 8 %, Garantieprodukte 1 bis 4 %. Der Unterschied summiert sich über 30 Jahre auf 50 % oder mehr Endkapital.
Was ist die Rendite?
Rendite ist das Verhältnis von Ertrag zu eingesetztem Kapital, ausgedrückt in Prozent pro Zeitraum. Bei der Altersvorsorge wird sie üblicherweise als jährliche Rendite angegeben (p.a., per annum).
Wer 1.000 € anlegt und nach einem Jahr 1.060 € hat, hat eine Rendite von 6 % erwirtschaftet. Über lange Zeiträume bekommt der Zinseszinseffekt die führende Rolle, dann zählt nicht mehr der einzelne Jahresgewinn, sondern die durchschnittliche Rendite.
Brutto- und Nettorendite, der entscheidende Unterschied
In Werbung und Modellrechnungen wird meist die Bruttorendite genannt, das ist die reine Marktentwicklung. Was am Ende beim Sparer ankommt, ist die Nettorendite:
| Größe | Wert | Beispiel |
|---|---|---|
| Bruttorendite | z. B. 7 % p.a. | MSCI World, historisch |
| − Effektivkosten | −0,3 bis −1,8 % | je nach Anbieter |
| = Vor-Steuer-Nettorendite | 5,2 bis 6,7 % | was im Depot landet |
| − Inflation | −2 % langjährig | Kaufkraftverlust |
| = Realrendite | 3,2 bis 4,7 % | echter Vermögenszuwachs |
Bei der nachgelagerten Besteuerung in der Rente kommen noch Steuern dazu (siehe Nachgelagerte Besteuerung). Trotz aller Abzüge bleibt das Altersvorsorgedepot gegenüber Sparbuch und Tagesgeld renditeüberlegen.
Welche Rendite ist im AVD realistisch?
ETF-Rendite historisch bei 6 bis 8 % p.a., das ist auch im AVD die realistische Erwartung.
Historische Renditen im Vergleich
| Anlageform | Ø Bruttorendite p.a. | Schwankung |
|---|---|---|
| MSCI World (Aktien-ETF) | ~ 7,5 % | −40 % bis +40 % im Jahr |
| FTSE All-World | ~ 7 % | ähnlich MSCI World |
| Staatsanleihen DE/EU | ~ 2 % | gering |
| Mischfonds 60/40 | ~ 4,5 % | moderat |
| Tagesgeld (Schnitt seit 2010) | ~ 0,7 % | keine |
| Inflation Deutschland | ~ 2 % | keine direkt vergleichbar |
Quellen: MSCI, Deutsche Bundesbank, Statistisches Bundesamt. Werte gerundet, langfristige Mittel über 30 Jahre.
Renditeerwartung je AVD-Variante
| Variante | Erwartete Rendite p.a. | Beispiel-Endkapital nach 30 J.* |
|---|---|---|
| Reiner Aktien-ETF (0 % Garantie) | 6 bis 8 % | ~ 100.000 € |
| 80 % Beitragsgarantie | 3 bis 5 % | ~ 65.000 € |
| 100 % Beitragsgarantie | 1 bis 3 % | ~ 45.000 € |
| Standardprodukt (passive ETFs, niedrige Kosten) | 5 bis 7 % | ~ 85.000 € |
*Annahme: 100 € Eigenbeitrag/Monat plus 540 € Grundzulage/Jahr.
Die Wahl der Variante ist der größte Hebel für die Rendite. Wer 20+ Jahre Zeit hat, sollte die Beitragsgarantie kritisch hinterfragen, sie kostet im Schnitt 1.000 bis 1.500 € Rendite pro Jahr Anlagedauer.
Rendite und Risiko gehören zusammen
Höhere Renditeerwartung bedeutet immer auch höheres kurzfristiges Schwankungsrisiko. Aktienmärkte können in Krisen 30 bis 50 % verlieren. Über lange Zeiträume hat sich aber in jedem Zeitraum von 15+ Jahren eine positive Realrendite gezeigt (MSCI World, seit Indexbeginn 1970).
Wer kurz vor Rentenbeginn steht, sollte sukzessive in sichere Anlagen umschichten. Dafür bieten viele Anbieter ein Lebensphasenmodell (Glidepath) an, das die Aktienquote mit zunehmendem Alter automatisch reduziert.
Häufige Fragen zur Rendite
Welche Rendite verspricht mein Anbieter?
Anbieter dürfen Renditen nur als historische Modellrechnung darstellen, nie als Versprechen. Achten Sie auf den Hinweis „historische Wertentwicklung” und auf die zugrunde gelegten Annahmen.
Ist 6 % Rendite realistisch?
Bei einem breit gestreuten Aktien-ETF langfristig ja. Über kurze Zeiträume kann die Rendite weit darunter (oder darüber) liegen.
Was passiert in einer langen Marktflaute?
Selbst nach den schlechtesten 20-Jahres-Perioden (z. B. Japan 1989 bis 2009) hat ein global gestreutes Portfolio leichte positive Erträge gebracht. Ein heimatlastiges Portfolio kann dagegen lange im Minus bleiben.
Wie sehr beeinflussen Kosten die Rendite?
Stark. Ein Prozent höhere Effektivkosten reduzieren das Endkapital nach 30 Jahren um 20 bis 30 %. Details unter Effektivkosten.
Werden die Zulagen mitverzinst?
Ja. Die Grundzulage und Kinderzulage werden direkt ins Depot gebucht und ab dem Zeitpunkt mitverzinst.
Wie wirkt sich die Inflation aus?
Sie reduziert die Kaufkraft des Endkapitals. Bei 2 % Inflation entsprechen 100.000 € in 30 Jahren nur noch etwa 55.000 € heutiger Kaufkraft. Deshalb braucht es Renditen über der Inflationsrate.
Was zählt am Ende für mich?
Nettorendite nach Kosten und Inflation ist der entscheidende Wert. Hier rechnen viele Werbeprospekte zu optimistisch.