Die 10 häufigsten Fehler beim Altersvorsorgedepot
Das neue Altersvorsorgedepot ab 2027 macht die private Altersvorsorge einfacher und flexibler. Aber die typischen Stolperfallen aus der Riester-Welt bleiben und einige neue kommen hinzu. Diese 10 Fehler kosten Sparer am häufigsten Geld:
Inhaltsverzeichnis
1. Zu hohe Effektivkosten akzeptieren
Der teuerste Fehler überhaupt. 1 % weniger Effektivkosten pro Jahr summieren sich über 30 Jahre auf 20–30 % mehr Endkapital, oft tausende Euro Unterschied. Schauen Sie ins Produktinformationsblatt und vergleichen Sie. Ein ETF-Standardprodukt liegt typisch bei 0,3–0,5 %, eine Versicherung bei 1,0–1,5 %.
2. Beitragsgarantie aus Angst wählen
Bei einer Laufzeit von 30+ Jahren kostet die 100 %-Beitragsgarantie historisch mehrere zehntausend Euro Rendite. Wer nicht akut Rentenbeginn vor Augen hat, sollte mit 0 % oder maximal 80 % Garantie arbeiten und stattdessen breit in Aktien-ETFs investieren.
Was kosten typische Fehler wirklich?
Die häufigsten Fehler kosten Sparer am Ende fünfstellige Beträge. Wer sie kennt, kann sie vermeiden.
3. Mindestbeitrag verfehlen
Wer den Sockelbeitrag von 120 € pro Jahr unterschreitet, verliert komplett die staatlichen Zulagen, auch die Kinderzulage. Selbst bei knappem Budget lohnt sich der Mindestbetrag immer, um Grund- und Kinderzulagen zu sichern.
4. Dauerzulagenantrag vergessen
Ohne unterschriebenen Dauerzulagenantrag holt der Anbieter die Zulage nicht bei der ZfA ab. Manche Sparer verlieren so jahrelang Geld. Bei Vertragsabschluss unbedingt das Formular direkt mit unterschreiben.
5. Falsche ETF-Auswahl
Themen-, Branchen- oder Länder-ETFs (Cannabis, KI, Indien etc.) als Hauptanlage sind ein Renditerisiko. Im Altersvorsorgedepot gehört das Kernkapital in breit gestreute Welt-ETFs: MSCI World, FTSE All-World oder MSCI ACWI mit TER unter 0,25 %.
6. Vorzeitig kündigen
Eine Kündigung vor dem 65. Lebensjahr ist förderschädlich: Alle Zulagen und Steuervorteile müssen zurück. Das kann mehrere tausend Euro kosten. Wer Cash braucht, sollte lieber den Sparplan pausieren und das Depot ruhen lassen.
7. Sparrate zu niedrig
Wer 50 €/Monat einzahlt, holt nicht die volle Grundzulage von 540 €. Für die maximale staatliche Förderung sind 150 €/Monat (1.800 €/Jahr) nötig. Bei mehreren Kindern können schon 25 €/Monat sehr lukrativ sein.
8. Steuer-Hebel ungenutzt lassen
Wer mehr als 30 % Grenzsteuer hat, profitiert oft stärker vom Sonderausgabenabzug als von der Zulage. Das Finanzamt prüft das automatisch (Günstigerprüfung), aber Sie müssen die Beiträge in der Anlage AV der Steuererklärung eintragen, sonst geht der Vorteil verloren.
9. Schlechten Anbieter aus Bequemlichkeit wählen
Die eigene Hausbank ist nicht automatisch die beste Wahl. Vergleichen Sie die Produkte mehrerer Anbieter (siehe Anbieter im Vergleich). Der spätere Wechsel ist möglich, kostet aber bis 150 € und Zeit.
10. Sparplan in Crashs stoppen
Der größte Cost-Average-Vorteil entsteht in Crash-Phasen, wenn Sie billig kaufen. Wer in der Krise stoppt oder verkauft, vernichtet diesen Effekt. Regel: Beim Altersvorsorgedepot nie wegen Marktturbulenzen aussetzen oder verkaufen.
Häufige Fragen zu Altersvorsorgedepot-Fehlern
Wie merke ich, dass mein Depot zu teuer ist?
Effektivkosten über 1,2 % p. a. sind ein Warnsignal. Das Standardprodukt darf gesetzlich nur 1,0 % berechnen, Premium-Produkte sollten höchstens 1,3–1,5 % kosten.
Wie viel kostet mich der Wechsel?
In den ersten 5 Jahren maximal 150 € Wechselgebühr. Danach gesetzlich gar nichts mehr.
Kann ich nach einem Crash kurzfristig Geld retten?
Nein, das wäre eine förderschädliche Entnahme. Besser: Sparplan pausieren und Erholung abwarten.
Was, wenn ich aus Versehen die Zulage nicht beantrage?
Sie können bis zu 2 Jahre rückwirkend nachträglich beantragen. Danach ist die Zulage verloren.
Was passiert, wenn ich überzahle?
Beträge über 1.800 € sind nicht zulagenfähig, aber bis 6.840 € steuerlich nutzbar. Über 6.840 € hinaus bringen keine Vorteile mehr im geförderten Topf.
Worauf sollte ich vor jedem Abschluss achten?
Drei Fragen vor jedem Abschluss: Welche Effektivkosten? Welche Garantie? Welche ETF-Auswahl?
Stand: Juni 2026.