Wechsel von Riester ins Altersvorsorgedepot: so geht’s
Ab 2027 dürfen alle Riester-Sparer ihren Vertrag in ein modernes Altersvorsorgedepot übertragen. Zulagen und Steuervorteile bleiben erhalten, die Kosten sind gedeckelt, der Wechsel ist freiwillig. Wann er sich lohnt und wann nicht.
Was bringt der Wechsel?
- Bessere Renditechancen. Der alte Riester-Vertrag ist meist zu 100 % beitragsgarantiert und investiert deshalb stark in niedrig verzinste Anleihen. Das Altersvorsorgedepot lässt eine freie ETF-Quote zu.
- Niedrigere Kosten. Riester-Verträge haben oft 1,5 bis 2 % Effektivkosten, ETF-Standardprodukte im AVD liegen bei 0,3 bis 0,7 %.
- Mehr Flexibilität. Auszahlplan bis 85 oder Leibrente, statt ausschließlich Leibrente.
- Höhere Förderung. 540 € Grundzulage statt 175 € Riester-Grundzulage.
- Vererbbar. Restkapital bei Tod vor Renteneintritt geht an die Erben, statt teilweise zu verfallen.
Wann lohnt sich der Wechsel?
- Vertrag aus den Jahren 2012 oder später mit Garantiezins unter 1,75 %.
- Mindestens 15 Jahre bis zum Rentenbeginn.
- Hohe laufende Kosten (Effektivkosten über 1,2 %).
- Wunsch nach höherer Aktienquote oder eigener ETF-Auswahl.
- Vertrag mit niedrigem Restguthaben (Wechsel-Aufwand zahlt sich schneller aus).
Wann lohnt sich der Wechsel?
Der Wechsel lohnt bei modernen Riester-Verträgen mit hohen Kosten und langer Restlaufzeit.
Wann lohnt sich der Wechsel eher nicht?
- Alter Vertrag mit Garantiezins 3,25 % oder 2,75 % (Verträge vor 2012). Solche Zinsen bekommen Sie heute nicht mehr.
- Weniger als 5 Jahre bis zum Rentenbeginn, der Aufwand lohnt nicht mehr.
- Bestandsschutz bei laufenden Wohn-Riester-Modellen.
- Sehr niedrige Vertragskosten und gute ETF-Auswahl (selten, aber möglich).
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Neuen Anbieter wählen. Vergleichen Sie Effektivkosten, ETF-Auswahl und Mindestbeitrag verschiedener Altersvorsorgedepot-Anbieter.
- Antrag auf Übertragung beim neuen Anbieter stellen. Dieser Antrag wird Ihnen vom neuen Anbieter zur Verfügung gestellt und reicht aus, eine separate Kündigung beim alten Anbieter ist nicht nötig.
- Bestandsbescheinigung beim alten Anbieter anfordern (Pflichtinformation).
- Wechsel-Antrag unterschreiben und ans neue Institut senden, fertig.
- Warten. Die Übertragung dauert typischerweise 8 bis 12 Wochen.
- Zulagenantrag neu erteilen. Der Dauerzulagenantrag muss beim neuen Anbieter neu unterschrieben werden, sonst stocken die Zulagen.
Kosten und Fristen
| Aspekt | Regelung |
|---|---|
| Wechselgebühr alter Anbieter | max. 150 € in den ersten 5 Vertragsjahren, danach 0 € |
| Wechselgebühr neuer Anbieter | typisch 0 € |
| Bearbeitungsdauer | typisch 8 bis 12 Wochen |
| Übertragung der Zulagen | komplett, kein Verlust |
| Übertragung des Steuervorteils | komplett, keine Nachversteuerung |
| Kündigung des alten Vertrags | nicht nötig, der Anbieter überträgt direkt |
Was nach dem Wechsel passiert
Das gesamte Guthaben aus dem alten Vertrag (Einzahlungen + Zulagen + Erträge) wird ins neue Altersvorsorgedepot übertragen und dort wie bisher gefördert weiterlaufen. Bisher erhaltene Grundzulagen und Kinderzulagen bleiben vollständig erhalten.
Falls Sie über die Jahre einen Sonderausgabenabzug genutzt haben, bleibt auch dieser unverändert, es kommt zu keiner Nachversteuerung. Lediglich künftige Beiträge richten sich nach den neuen, höheren AVD-Förderbeträgen.
Beispiele
Jens, 38, Riester-Vertrag seit 2013, 15.000 € Guthaben. Effektivkosten 1,4 %, geplante Restlaufzeit 29 Jahre. Wechsel ins ETF-Standardprodukt mit 0,5 % Effektivkosten bringt über 30 Jahre rund 28.000 € Mehrkapital, die 150 € Wechselgebühr amortisieren sich in wenigen Monaten.
Renate, 58, Riester-Vertrag aus 2003, Garantiezins 3,25 %. Bei diesem Garantiezins sehr selten zu schlagen, plus nur noch 7 Jahre Restlaufzeit. Wechsel lohnt sich vermutlich nicht, der alte Vertrag bleibt.
Sabine & Tom, beide 30, Wohn-Riester für gemeinsames Eigenheim. Spezialfall: Wohn-Riester wird im Altersvorsorgedepot nicht unterstützt. Hier bleibt der bestehende Riester-Vertrag der bessere Weg.
Häufige Fragen zum Wechsel
Muss ich meinem alten Anbieter kündigen?
Nein, Sie beauftragen den neuen Anbieter mit der Übertragung. Der Rest läuft im Hintergrund.
Gehen meine Zulagen beim Wechsel verloren?
Nein, sie werden komplett ins neue Depot übertragen.
Was passiert mit meinem Garantiezins?
Er erlischt mit dem Wechsel. Deshalb sind alte Verträge mit hohem Garantiezins schwer zu schlagen.
Wie lange dauert die Übertragung?
Typisch 8 bis 12 Wochen. In dieser Zeit ruht das Guthaben, neue Einzahlungen sollten erst nach Abschluss erfolgen.
Kann ich den Wechsel rückgängig machen?
Nein, der Wechsel ist endgültig. Deshalb vorher gut rechnen.
Welche Wechsel-Gebühr ist erlaubt?
In den ersten 5 Vertragsjahren maximal 150 €, danach gar nichts mehr. Höhere Gebühren sind unzulässig.
Bekomme ich beim Wechsel den Berufseinsteigerbonus rückwirkend?
Nein. Der Berufseinsteigerbonus gilt nur für Erstabschlüsse vor dem 25. Geburtstag. Ein Wechsel bestehender Verträge zählt nicht.
Wann sollte ich besser bleiben?
Bei Garantiezins 3,25 % aus Altverträgen bleibt der Bestandsschutz meist die bessere Wahl.