Rürup-Rente oder Altersvorsorgedepot: Was lohnt sich für Selbstständige?

Als Selbstständige:r waren Sie bei der geförderten Vorsorge lange auf die Rürup-Rente angewiesen. Ab 2027 kommt mit dem Altersvorsorgedepot eine zweite geförderte Option dazu – erstmals auch für Sie. Damit stellt sich die Frage: Was passt besser? Wir vergleichen beide sachlich, ohne Produktempfehlung.

Kurz erklärt: Die Rürup-Rente (Basisrente) punktet mit einem hohen Steuerabzug und lohnt sich vor allem bei hohem Einkommen. Das Altersvorsorgedepot punktet mit staatlichen Zulagen, voller Flexibilität, freier ETF-Anlage und vererbbarem Kapital. Für viele Selbstständige ist eine Kombination die beste Lösung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Beide sind staatlich gefördert, aber unterschiedlich: Rürup über den Steuerabzug, das Altersvorsorgedepot über direkte Zulagen.
  • Das Altersvorsorgedepot ist deutlich flexibler: Beiträge lassen sich jederzeit anpassen oder pausieren.
  • Die Rürup-Rente zahlt nur eine lebenslange Rente aus, das Altersvorsorgedepot erlaubt Teilauszahlung und Auszahlplan.
  • Kapital im Altersvorsorgedepot ist vererbbar, bei der Rürup-Rente nur eingeschränkt.
  • Bei hohem Einkommen wiegt der Steuerabzug der Rürup schwerer, bei mittlerem Einkommen die Zulagen des Altersvorsorgedepots.

Was ist die Rürup-Rente?

Die Rürup-Rente, offiziell Basisrente, ist eine private, staatlich geförderte Altersvorsorge, die vor allem auf Selbstständige und Gutverdiener zugeschnitten ist. Ihr Kernvorteil ist steuerlich: Die Beiträge sind seit 2023 zu 100 Prozent als Sonderausgaben absetzbar, bis zu einem jährlichen Höchstbetrag. Je höher Ihr persönlicher Steuersatz, desto größer die Ersparnis.

Dafür ist die Rürup-Rente unflexibel. Das Kapital ist streng zweckgebunden: Es wird ausschließlich als lebenslange Rente ausgezahlt, frühestens ab 62. Eine Kapitalauszahlung, eine Kündigung mit Auszahlung oder eine Beleihung sind nicht möglich. Auch die Vererbbarkeit ist nur über zusätzliche, kostenpflichtige Bausteine gegeben.

Was ist das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot ist der ab dem 1. Januar 2027 startende Nachfolger der Riester-Rente. Es ist ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot, in dem Sie frei in ETFs und Fonds sparen. Die Förderung läuft über direkte Zulagen: bis zu 540 Euro Grundzulage pro Jahr, dazu 300 Euro je Kind. Erstmals sind auch alle Selbstständigen förderberechtigt.

Anders als die Rürup-Rente ist das Depot flexibel: Sie passen Beiträge an oder pausieren sie, und zum Rentenstart können Sie bis zu 30 Prozent auf einmal entnehmen. Das Kapital ist vererbbar. Für das Standardprodukt gilt ein Kostendeckel von einem Prozent pro Jahr.

Rürup oder Altersvorsorgedepot: die Unterschiede

 

Altersvorsorgedepot

Rürup-Rente (Basisrente)

Förderung

Zulagen bis 540 € + 300 €/Kind

Sonderausgabenabzug (steuerlich)

Stärke bei

mittlerem Einkommen

hohem Grenzsteuersatz

Flexibilität

Beiträge jederzeit anpassbar/pausierbar

starr, laufende Beiträge

Auszahlung

Teilauszahlung + Auszahlplan oder Rente

nur lebenslange Rente

Vererbbarkeit

ja

nur eingeschränkt

Anlage

frei in ETFs und Fonds

meist Versicherungs- oder Fondsmantel

Förderung: Zulage gegen Steuerabzug

Der wichtigste Unterschied ist die Art der Förderung. Beim Altersvorsorgedepot bekommen Sie direkte Zulagen, die sofort ins Depot fließen und mitarbeiten. Bei der Rürup-Rente gibt es keine Zulage, sondern einen Steuerabzug: Sie machen die Beiträge in der Steuererklärung geltend und bekommen einen Teil über die Steuer zurück. Der Effekt hängt stark von Ihrem Einkommen ab.

Flexibilität: der große Vorteil für Selbstständige

Selbstständige haben selten jedes Jahr das gleiche Einkommen. Genau hier spielt das Altersvorsorgedepot seine Stärke aus: In einem schwachen Jahr reichen 120 Euro (10 Euro im Monat), um die Förderung zu sichern, in einem guten Jahr zahlen Sie mehr ein. Die Rürup-Rente ist da starrer und passt besser zu stabilen, planbaren Einkünften.

Auszahlung und Vererbbarkeit

Die Rürup-Rente kennt nur die lebenslange Monatsrente. Das Altersvorsorgedepot lässt Ihnen die Wahl aus Teilauszahlung, Auszahlplan und Rente, und das angesparte Kapital geht im Todesfall an die Erben. Wer Wert auf Flexibilität und Vererbbarkeit legt, ist mit dem Depot besser bedient.

Kurz zusammengefasst: Rürup = starker Steuerabzug, aber starr und nur als Rente. Altersvorsorgedepot = Zulagen, volle Flexibilität, ETF-Rendite und vererbbares Kapital.

Rechner

Was bringt Ihnen das Altersvorsorgedepot?

Förderung, Steuervorteil und möglicher Depotwert in unter einer Minute und mit Ihren eigenen Zahlen.

Für wen lohnt sich was?

Für Selbstständige mit mittlerem Einkommen wiegen die Zulagen des Altersvorsorgedepots meist schwerer als der Steuerabzug der Rürup-Rente. Auch wer schwankende Einkünfte hat, Flexibilität braucht oder das Kapital vererben möchte, fährt mit dem Depot in der Regel besser.

Für Selbstständige mit hohem und stabilem Einkommen kann die Rürup-Rente attraktiver sein: Bei einem hohen Grenzsteuersatz ist der Sonderausgabenabzug ein spürbarer Hebel. Wer die Flexibilität nicht braucht und eine planbare lebenslange Rente schätzt, findet hier ein passendes Produkt.

Beide kombinieren – oft die beste Lösung

Sie müssen sich nicht entscheiden. Viele Selbstständige werden beides nutzen: die Rürup-Rente für den Steuervorteil bei hohem Einkommen und das Altersvorsorgedepot für Flexibilität, Zulagen und Renditechancen. So sichern Sie sich die Stärken beider Modelle, ohne sich auf ein einziges festzulegen.

Fazit

Die Rürup-Rente und das Altersvorsorgedepot sind keine Gegner, sondern zwei Werkzeuge mit unterschiedlichen Stärken. Als grobe Orientierung: Bei mittlerem Einkommen und dem Wunsch nach Flexibilität führt das Altersvorsorgedepot, bei hohem, stabilem Einkommen die Rürup-Rente – und in vielen Fällen ist die Kombination am sinnvollsten. Prüfen Sie beide anhand Ihrer eigenen Zahlen, bevor Sie sich festlegen.

Hinweis: unabhängige Information und Einordnung, keine individuelle Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.

Häufige Fragen

FAQ zu Rürup-Rente oder Altersvorsorgedepot

Ist die Rürup-Rente oder das Altersvorsorgedepot besser für Selbstständige?

Das hängt vom Einkommen ab. Bei mittlerem Einkommen wiegen die Zulagen des Altersvorsorgedepots schwerer, bei hohem Grenzsteuersatz der Sonderausgabenabzug der Rürup-Rente. Häufig ist eine Kombination sinnvoll.

? Ja. Beide Produkte lassen sich parallel nutzen und ergänzen sich für viele Selbstständige gut.

Ja. Beim Altersvorsorgedepot können Sie Beiträge jederzeit anpassen oder pausieren und zum Rentenstart einen Teil auf einmal entnehmen. Die Rürup-Rente ist starrer und zahlt nur eine lebenslange Rente.

Im Altersvorsorgedepot ja. Bei der Rürup-Rente nur über zusätzliche, kostenpflichtige Bausteine.

Ab dem 1. Januar 2027. Vorher ist kein Abschluss möglich.

Über den Autor

Rolf Henning Hackel

Jurist & Finanzmarktexperte · AVD Anbieter Vergleich

Rolf Henning Hackel ist Diplom-Jurist und seit über 22 Jahren als Vorstand und Geschäftsführer für unterschiedliche Softwaredienstleister der Finanzbranche sowie als Unternehmensgründer tätig. Als absoluter Marktexperte kennt er nicht nur die verschiedenen Anbieter, sondern auch die Produkte der Finanzindustrie mit ihren Stärken und Schwächen sowie deren regulatorischen Rahmen. Beim AVD Anbieter Vergleich schreibt er über das neue Altersvorsorgedepot und erklärt Förderung, Anbieter und Renditechancen in verständlichen Worten – unabhängig und werbefrei.

Rolf Henning Hackel, Finanzexperte und Gründer von AVD Vergleich