Rentenlücke: was zwischen Bedarf und gesetzlicher Rente fehlt

Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen dem, was Sie im Ruhestand brauchen, und dem, was die gesetzliche Rente auszahlt. Sie ist der Grund, warum es das Altersvorsorgedepot überhaupt gibt. Die entscheidende Zahl steht nicht in Ihrem Rentenbescheid, denn dort fehlt die Inflation.

Was ist die Rentenlücke?

Zwei Größen stehen sich gegenüber. Auf der einen Seite Ihr Bedarf im Ruhestand, auf der anderen die gesetzliche Rente. Was dazwischen fehlt, ist die Lücke. Sie muss aus privatem oder betrieblichem Kapital gedeckt werden.

Der Bedarf sinkt im Alter. Aber weniger stark, als viele erwarten. Berufsbedingte Ausgaben fallen weg, also Pendeln, Arbeitskleidung, das Mittagessen auswärts, und wer die Familienphase hinter sich hat, spart zusätzlich alles, was Kinder im Haushalt gekostet haben. Dafür steigen andere Posten, vor allem Gesundheit und Wohnen. Als Ausgangspunkt haben sich rund 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens eingebürgert.

Warum trifft es heute Jüngere härter?
Das Rentenniveau sinkt seit Jahrzehnten, gleichzeitig steigt die Lebenserwartung. Wer heute vierzig ist, muss länger von weniger leben als die Generation davor.

Wie Sie sie überschlagen

Für eine erste Einschätzung genügen drei Schritte, und Sie brauchen dafür weder Berater noch Software.

  1. Nehmen Sie Ihr heutiges Nettoeinkommen und rechnen Sie 80 Prozent davon. Das ist Ihr geschätzter Bedarf.
  2. Schauen Sie in Ihre Renteninformation. Der dort genannte Betrag ist brutto, ziehen Sie grob 15 Prozent für Steuern und Sozialabgaben ab.
  3. Die Differenz ist Ihre monatliche Lücke in heutiger Kaufkraft.
Heutiges Netto Bedarf (80 %) Rente netto (grob) Lücke
2.200 € 1.760 € rund 1.050 € rund 710 €
2.800 € 2.240 € rund 1.340 € rund 900 €
3.500 € 2.800 € rund 1.680 € rund 1.120 €
4.500 € 3.600 € rund 2.050 € rund 1.550 €

Überschlagsrechnung, angenommenes Nettorentenniveau von rund 48 Prozent des letzten Bruttos. Individuelle Erwerbsbiografien weichen erheblich ab.

Wer es genauer wissen will, nutzt den Rentenlücken-Rechner. Dort fließen Alter, Einkommen und geplanter Rentenbeginn ein, und die Inflation wird berücksichtigt.

Warum der Rentenbescheid trügt

In Ihrer Renteninformation steht ein Betrag, der auf den ersten Blick beruhigend wirkt. Drei Dinge fehlen darin.

Erstens ist der Wert brutto. Auf gesetzliche Renten fallen Steuern an, dazu Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, sodass vom ausgewiesenen Betrag je nach Situation zwischen zehn und zwanzig Prozent abgehen, bevor überhaupt etwas auf dem Konto ankommt. Zweitens ist er in heutigen Euro angegeben, obwohl Sie ihn in dreißig Jahren bekommen. Bei zwei Prozent Inflation hat ein Euro dann noch etwa 55 Cent Kaufkraft. Und drittens setzt die Hochrechnung voraus, dass Sie bis zum Rentenbeginn ununterbrochen so weiterverdienen wie zuletzt.

Die unangenehme Rechnung: Eine Rente von 1.800 € in dreißig Jahren entspricht bei zwei Prozent Inflation einer heutigen Kaufkraft von rund 990 €. Bei drei Prozent sind es noch rund 740 €.

Was es kostet, sie zu schließen

Um 700 € monatliche Zusatzrente über rund 20 Jahre zu bekommen, brauchen Sie grob 170.000 € Kapital zu Rentenbeginn. Was das an Sparrate bedeutet, hängt fast ausschließlich davon ab, wann Sie anfangen.

Start mit Jahre bis 67 Nötige Rate bei 6 %
25 42 rund 75 €
35 32 rund 145 €
45 22 rund 310 €
55 12 rund 810 €

Modellrechnung, 6 % nominal, ohne Kosten, ohne Zulagen, ohne Steuern. Zielkapital 170.000 €.

Zehn Jahre Aufschub verdoppeln die Rate ungefähr. Jedes Mal. Das ist der eigentliche Grund, warum bei diesem Thema immer alle zur Eile mahnen, und ausnahmsweise ist die Mahnung berechtigt. Die staatliche Förderung im Altersvorsorgedepot senkt die nötige Eigenleistung zusätzlich, weil Zulagen vom ersten Jahr an mitwachsen.

Drei Beispiele

Lena, 27, Erzieherin, 2.200 € netto. Ihre geschätzte Lücke liegt bei rund 710 € im Monat. Mit 40 Jahren Restlaufzeit reicht eine Rate von etwa 80 €, wobei die Grundzulage einen erheblichen Teil davon trägt.

Markus, 46, Vertrieb, 3.500 € netto, bisher nichts vorgesorgt. Lücke rund 1.120 €. Bei 21 Jahren Restlaufzeit müsste er etwa 540 € monatlich aufbringen. Realistischer ist für ihn, das Ziel zu senken und länger zu arbeiten.

Ehepaar Hoffmann, beide 38, zusammen 5.200 € netto, zwei Kinder. Sie rechnen mit einer gemeinsamen Lücke von rund 1.700 €. Über zwei Depots und die volle Kinderzulage decken sie einen großen Teil davon mit staatlichem Geld ab.

Häufige Fragen zur Rentenlücke

Sind 80 Prozent des Nettos wirklich nötig?

Es ist eine Faustregel, kein Gesetz. Wer mietfrei wohnt, kommt mit weniger aus. Wer im Alter viel reisen will, braucht mehr.

Zählt die Betriebsrente mit?

Ja. Alles, was im Ruhestand regelmäßig fließt, verkleinert die Lücke. Betriebsrente, Riester-Bestandsvertrag, Mieteinnahmen.

Was ist das Nettorentenniveau?

Der Anteil der Standardrente am Durchschnittsentgelt, nach Sozialabgaben und vor Steuern. Es dient als politische Steuergröße, nicht als persönliche Prognose.

Muss ich mit Inflation rechnen?

Unbedingt. Ohne Inflationsannahme sieht jede Vorsorgeplanung besser aus, als sie ist.

Was, wenn ich zu spät dran bin?

Dann gelten andere Hebel: länger arbeiten, das Ziel senken, Einmalzahlungen nutzen. Aufhören ist die schlechteste dieser Optionen.

Wie oft sollte ich neu rechnen?

Alle drei bis fünf Jahre und nach jeder größeren Veränderung, etwa Gehaltssprung, Teilzeit oder Familienzuwachs.

Was bleibt hängen?
Der Rentenbescheid nennt einen Bruttowert in heutiger Kaufkraft. Was am Ende ankommt, ist erheblich weniger, und der einzige wirksame Hebel dagegen heißt Zeit.

Stand: Juli 2026. Quellen: BMF, Bundesregierung, Bundestag-Drucksache 21/4088, Deutsche Rentenversicherung.

Weiterrechnen und weiterlesen

Rentenlücken-Rechner — Lücke zwischen letztem Netto und gesetzlicher Rente überschlagen.

Passend dazu: Altersvorsorgedepot ab 50.

Alle Begriffe im Überblick: Lexikon von A bis Z.

Offizielle Quellen und weiterführende Informationen