Inflation und Kaufkraft: was Ihr Depot in 30 Jahren wirklich wert ist
Inflation entscheidet darüber, was Ihr Depotstand im Alter wirklich wert ist. Zwei Prozent im Jahr klingen harmlos und halbieren die Kaufkraft in etwa 35 Jahren. Jede Modellrechnung zum Altersvorsorgedepot, die das nicht ausweist, sieht schöner aus, als sie ist.
Inhaltsverzeichnis
Nominal und real
Nominal ist die Zahl im Depot. Real ist das, was Sie sich davon kaufen können. Dazwischen liegt die Inflation. Über die Laufzeit einer Altersvorsorge wird aus dem Unterschied ein Abgrund.
Die Europäische Zentralbank strebt mittelfristig rund zwei Prozent an. Für eine Planung über dreißig oder vierzig Jahre ist das ein brauchbarer Ausgangswert. Mehr nicht. In den vergangenen Jahrzehnten gab es Phasen mit deutlich weniger und Jahre mit deutlich mehr.
Wie schnell halbiert sich Kaufkraft?
Teilen Sie 70 durch die Inflationsrate. Bei 2 % dauert es rund 35 Jahre, bei 3 % nur noch 23.
Was die Zahlen konkret bedeuten
| Zeitraum | 100.000 € bei 2 % Inflation | bei 3 % Inflation |
|---|---|---|
| 20 Jahre | rund 67.300 € | rund 55.400 € |
| 30 Jahre | rund 55.200 € | rund 41.200 € |
| 40 Jahre | rund 45.300 € | rund 30.700 € |
Kaufkraft in heutigen Euro, gerundet.
An einer typischen Modellrechnung wird es anschaulich. Wer 40 Jahre lang 100 € im Monat einzahlt und 6 Prozent erzielt, hat am Ende rund 199.000 € im Depot. In heutiger Kaufkraft sind das bei zwei Prozent Inflation etwa 90.000 €. Immer noch das Doppelte der eingezahlten 48.000 €, aber eben nicht das Vierfache, das die nominale Zahl suggeriert.
Warum Garantien real gefährlich sind
Eine Beitragsgarantie von 100 Prozent verspricht, dass am Ende mindestens das eingezahlte Geld da ist. Nominal stimmt das auch. Real ist es ein Verlustgeschäft, denn wer über dreißig Jahre nominal genau seine Einzahlungen zurückbekommt, hat real etwa 45 Prozent der Kaufkraft verloren.
Deshalb hat der Gesetzgeber die Garantiepflicht abgeschafft, die der Riester-Rente das Genick gebrochen hat. Sicherheit im nominalen Sinn und Sicherheit im Sinne von Kaufkrafterhalt sind zwei verschiedene Dinge, und über lange Zeiträume schließen sie sich beinahe aus.
Die Sparrate mitwachsen lassen
Wer 2027 mit 150 € im Monat startet und diesen Betrag nie anpasst, spart 2047 real nur noch rund 100 €. Die Rate schrumpft still.
Zwei Wege helfen dagegen. Entweder eine Dynamik im Vertrag, die den Beitrag jährlich um einen festen Prozentsatz anhebt, oder eine eigene Regel: bei jeder Gehaltserhöhung die Sparrate im gleichen Verhältnis mit anheben. Der zweite Weg ist flexibler, kostet nichts und lässt sich in schlechten Jahren ohne Rückfrage beim Anbieter wieder aussetzen.
Zwei Beispiele
Timo, 30, plant mit 1.200 € Zusatzrente ab 67. In 37 Jahren entspricht das bei zwei Prozent Inflation einer heutigen Kaufkraft von rund 575 €. Er verdoppelt sein Ziel, weil er in heutigen Euro denken will.
Claudia, 52, hat ein Angebot mit 100 % Beitragsgarantie vorliegen. Bei 15 Jahren Restlaufzeit und niedriger Aktienquote landet sie nominal knapp über ihren Einzahlungen. Real wären das rund 25 Prozent weniger Kaufkraft. Sie entscheidet sich für eine Variante ohne volle Garantie.
Häufige Fragen zu Inflation und Kaufkraft
Mit welcher Inflationsrate soll ich rechnen?
Zwei Prozent sind ein gängiger Planungswert. Wer vorsichtiger sein will, nimmt zweieinhalb.
Schützt ein Aktien-ETF vor Inflation?
Langfristig meist ja, weil Unternehmen ihre Preise anpassen. Kurzfristig kann er trotzdem einbrechen, gerade in Inflationsphasen.
Steigt die gesetzliche Rente mit der Inflation?
Sie folgt der Lohnentwicklung, nicht direkt den Preisen. In Jahren mit hoher Inflation hinkt sie deshalb hinterher.
Rechnet der AVD-Rechner mit Inflation?
Ja, aber nicht von allein. Im Altersvorsorgedepot-Rechner Plus steht die Inflation unter „Individuelle Annahmen” und ist auf 2 % voreingestellt. Die Kaufkraft in heutigen Euro sehen Sie erst, wenn Sie den Schalter „Realwerte zusätzlich anzeigen” aktivieren. Der Rentenlücken-Rechner weist die Kaufkraft dagegen von sich aus mit aus.
Wird die Auszahlung an die Inflation angepasst?
Bei einer Leibrente in der Regel nicht, sie bleibt nominal konstant. Das ist ein oft übersehener Nachteil gegenüber dem Auszahlplan.
Warum steht die Inflation in kaum einer Werbung?
Weil nominale Zahlen beeindruckender aussehen. Fragen Sie bei jedem Angebot nach dem realen Wert.
Was bleibt hängen?
Denken Sie in heutigen Euro. Und behandeln Sie eine Nominalgarantie nicht als Sicherheit, sondern als das, was sie über dreißig Jahre ist: ein garantierter realer Verlust.
Stand: Juli 2026. Quellen: BMF, Bundesregierung, Bundestag-Drucksache 21/4088, Deutsche Rentenversicherung.
Weiterrechnen und weiterlesen
Rentenlücken-Rechner — Lücke zwischen letztem Netto und gesetzlicher Rente überschlagen.
Alle Begriffe im Überblick: Lexikon von A bis Z.
Offizielle Quellen und weiterführende Informationen
- Bundesministerium der Finanzen, FAQ zur Reform der privaten Altersvorsorge
- Bundesregierung, Reform private Altersvorsorge
- Deutscher Bundestag, Beschluss Altersvorsorgedepot (KW 13/2026)
- Bundestag-Drucksache 21/4088 (PDF)
- Deutsche Rentenversicherung, Reform-Meldung
- Stiftung Warentest, Altersvorsorgedepot
- Verbraucherzentrale, Neues Altersvorsorgedepot: Chance oder Verkaufsfalle?