Altersvorsorgedepot: Was 0,5 Prozent mehr Gebühren über 40 Jahre kosten

Mehr als 50.000 Euro. So viel kann ein halber Prozentpunkt mehr an Gebühren über ein langes Sparerleben kosten. Klingt unglaublich, ist aber simple Mathematik. Denn bei den Kosten wirkt derselbe Zinseszins wie bei den Erträgen, nur gegen Sie. Dabei fällt diese kleine Prozentzahl im Alltag kaum auf, weil die Gebühr still im Depot abgezogen wird. Ein Beispiel zeigt, wie groß der Unterschied wird.

 

Das Wichtigste in Kürze

  • Schon ein halber Prozentpunkt mehr Gebühren kostet über 40 Jahre mehr als 50.000 Euro (bei 150 €/Monat und 6 % Rendite).
  • Bei 2 Prozent Kosten schmilzt das Endkapital um fast 100.000 Euro gegenüber dem günstigsten Fall.
  • Der Grund ist der Zinseszins: Jeder Euro Gebühr fehlt später doppelt, weil auch seine Erträge ausbleiben.
  • Die Kosten sind der eine Faktor, den Sie selbst steuern können, die Rendite nicht.

 

Das Beispiel

Nehmen wir 150 Euro im Monat über 40 Jahre, bei angenommenen 6 Prozent Rendite. Bei 0,2 Prozent Kosten stehen am Ende rund 283.000 Euro auf dem Konto, bei 1,0 Prozent nur etwa 229.000 Euro. Die Differenz ist reine Gebühr. Gleiche Einzahlung, gleiche Rendite, nur die Kosten sind anders.

Teuer ist nicht gleich schlecht

Ein höherer Preis ist kein Grund zur Aufregung. Er kann für echte Leistung stehen, etwa eine persönliche Beratung, eine Beitragsgarantie oder eine größere Fondsauswahl, und wer das schätzt, für den kann sich ein teureres Produkt durchaus lohnen. Die Gebühr ist also kein Feind. Sie ist eine Zahl, die Sie kennen sollten, damit Sie bewusst entscheiden, wofür Sie zahlen. Unser Ziel ist nicht, den günstigsten Anbieter zu küren, sondern Ihnen die Größenordnung zu zeigen.

Und es geht noch drastischer. Wählen Sie statt 1,0 Prozent ein teureres Individualprodukt mit 2,0 Prozent, schmilzt das Endkapital auf rund 185.000 Euro. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Fall liegen fast 100.000 Euro, bei identischer Einzahlung. Reine Mathematik. Sie haben denselben Betrag eingezahlt, dieselbe Rendite erzielt, und trotzdem bleibt am Ende ein Vermögen weniger übrig. Der einzige Unterschied ist die jährliche Gebühr.

Warum das so viel ausmacht

Der Grund ist der Zinseszins. Jeder Euro, der als Gebühr abfließt, fehlt Ihnen später doppelt, weil auch alle Erträge auf diesen Euro ausbleiben. Über wenige Jahre fällt das kaum auf. Über Jahrzehnte türmt es sich zu einem fünfstelligen Betrag. Deshalb ist die Gebühr der Hebel, der über die lange Zeit am meisten ausmacht. Man kann es sich wie eine kleine Undichtigkeit vorstellen. Ein Tropfen pro Minute fällt nicht auf, über vierzig Jahre läuft daraus ein voller Eimer. Genauso arbeitet die Kostenquote, nur unsichtbar, weil sie im ETF/Fonds abgezogen wird und nie als Rechnung bei Ihnen landet. Wer früh anfängt, hat den längsten Hebel, und deshalb trifft die Gebühr gerade junge Sparer besonders hart.  
Zum Ausprobieren

Was Depotkosten Sie wirklich kosten

Zahlen wirken abstrakt, bis man sie selbst sieht. Stellen Sie Ihre Sparrate, die Laufzeit und die Depotgebühr ein, und der Depotkosten-Rechner zeigt, wie viel unterschiedliche Gebühren über die Jahre ausmachen. Aus scheinbar kleinen Prozentpunkten werden schnell große Summen. Probieren Sie es aus.

Denn was am Ende in Euro herauskommt, entscheidet im echten Leben über die Wahl des Anbieters. Kleine Kostenunterschiede, große Wirkung. Genau darauf schauen wir im Anbieter-Monitor, der die Depots nach ihren Gesamtkosten vergleicht.  
Monatliche Sparrate iIhr eigener Beitrag pro Monat. 200 €
25 €1.000 €
Laufzeit iÜber wie viele Jahre Sie sparen. Üblich: Zeit bis Renteneintritt. 30 Jahre
10 Jahre40 Jahre
Depotgebühr p. a. iJährliche Kosten Ihres Depots. ETF-Broker: ~0,3 %. Bank: ~1 %. Aktiver Fonds: ~1,5 % und mehr. 1,0 %
0 %2 %
Depot-Wert nach 30 Jahren
–
bei 1,0 % Kosten p. a.
Nur an Kosten verloren
–
Über die gesamte Laufzeit

Annahme: 6,0 % Bruttorendite p. a.

Erweiterte Berechnung Mit Einkommen, Rendite, Kosten, Inflation, Riester-Übertrag, ETF-Vergleich

Unverbindliche Modellrechnung, keine Anlageberatung, keine Garantie künftiger Wertentwicklung. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Wann sich der Unterschied zeigt

In den ersten Jahren merken Sie fast nichts. Nach fünf Jahren trennen die beiden Depots vielleicht ein paar hundert Euro und viele winken ab. Der Abstand wächst aber nicht gleichmäßig, sondern beschleunigt sich, weil er auf ein immer größeres Vermögen wirkt. Die zweite Hälfte der Laufzeit reißt den Großteil der Lücke. Zeit vergrößert alles. Deshalb ist die Entscheidung am Anfang so wertvoll, obwohl sie sich erst spät auszahlt.

Der Faktor, den Sie steuern können

Gut ist, dass die Kosten der eine Faktor sind, den Sie selbst in der Hand haben. Die Rendite können Sie nicht steuern, die Gebühr schon. Ein niedriger Prozentsatz wirkt jedes Jahr aufs Neue und ist das Einzige an einem Depot, das Ihnen sicher zugutekommt. Rechnen Sie Ihren eigenen Unterschied mit dem Depotkosten-Rechner aus und vergleichen Sie die Anbieter in unserer Kostenübersicht zum Altersvorsorgedepot. Ein Zehntelprozent klingt nach nichts. Über die Jahre wirkt es erstaunlich stark.

 

Hinweis: Modellrechnung, 6 % p. a. angenommen, keine Garantie. Der 2-Prozent-Fall bildet ein teureres Individualprodukt ab (Verbraucherzentrale: 1,5–2,5 %), kein konkreter Anbieter.

 

Häufige Fragen

FAQ zu Kosten beim Altersvorsorgedepot

Warum wirken so kleine Prozentwerte über die Zeit so stark?

Weil die Gebühr jedes Jahr auf den gesamten Bestand wirkt, nicht nur auf die Einzahlung. Mit dem Vermögen wächst auch der Betrag, der als Gebühr abgeht. Über wenige Jahre bleibt das winzig. Über Jahrzehnte multipliziert der Zinseszins den Effekt, bis aus einem halben Prozentpunkt ein fünfstelliger Unterschied wird.

Zählt der Zinseszins auch bei den Kosten gegen mich?

Ja, und genau das übersehen viele. Der Zinseszins arbeitet für Sie, solange Ihr Geld im Depot liegt, aber jeder abgezogene Euro nimmt seine künftigen Erträge gleich mit. Die Gebühr bremst also nicht einmal, sondern dauerhaft. Deshalb schlägt ein kleiner Kostenunterschied über die Laufzeit so viel stärker durch, als die nackte Prozentzahl vermuten lässt.

Ab wann macht sich der Kostenunterschied bemerkbar?

Spät, aber dann heftig. In den ersten Jahren trennen zwei Depots nur ein paar hundert Euro, weshalb der Unterschied leicht zu unterschätzen ist. Die Lücke wächst überproportional, weil sie auf ein immer größeres Vermögen wirkt. Der Großteil entsteht in der zweiten Hälfte der Laufzeit. Wer früh günstig wählt, profitiert am meisten.

Lohnt sich ein Wechsel, wenn ich schon spare?

Oft ja, denn entscheidend sind die Jahre, die noch vor Ihnen liegen. Je länger Ihr Restzeitraum, desto größer der Effekt eines niedrigeren Prozentsatzes. Prüfen Sie vor dem Wechsel mögliche Übertragungskosten und ob ein bestehender Vertrag Vorteile hat. Rechnen Sie beide Wege einmal durch, bevor Sie sich festlegen. Die reine Kostenersparnis ist meist deutlich.

Über den Autor

Rolf Henning Hackel

Jurist & Finanzmarktexperte · AVD Anbieter Vergleich

Rolf Henning Hackel ist Diplom-Jurist und seit über 22 Jahren als Vorstand und Geschäftsführer für unterschiedliche Softwaredienstleister der Finanzbranche sowie als Unternehmensgründer tätig. Als absoluter Marktexperte kennt er nicht nur die verschiedenen Anbieter, sondern auch die Produkte der Finanzindustrie mit ihren Stärken und Schwächen sowie deren regulatorischen Rahmen. Beim AVD Anbieter Vergleich schreibt er über das neue Altersvorsorgedepot und erklärt Förderung, Anbieter und Renditechancen in verständlichen Worten – unabhängig und werbefrei.

Rolf Henning Hackel, Finanzexperte und Gründer von AVD Vergleich