Studie: 4,5 Millionen Altersvorsorgedepots schon 2027 – was das für Sparer bedeutet
Noch ist kein einziges Altersvorsorgedepot abgeschlossen, doch die Erwartungen an den Start sind bereits hoch. Eine aktuelle Marktstudie rechnet damit, dass schon im ersten Jahr Millionen Menschen einsteigen. Was hinter den Zahlen steckt und was sie für Ihre eigene Entscheidung bedeuten, schauen wir uns hier an.
Ab dem 1. Januar 2027 löst das Altersvorsorgedepot die Riester-Rente als staatlich geförderte private Altersvorsorge ab. Wie stark der Markt darauf anspringt, hat das Marktforschungsinstitut Sirius Campus jetzt untersucht. Wir ordnen die Ergebnisse für Sie ein, ohne Produktempfehlung, nur mit Fakten.
Kurz erklärt: Die Studie „Altersvorsorge im Aufbruch” des Instituts Sirius Campus (unterstützt vom Vorsorgespezialisten Aeiforia) prognostiziert für den Start des Altersvorsorgedepots im Jahr 2027 rund 4,5 Millionen Abschlüsse. Bei intensiver Vermarktung durch die Anbieter halten die Autoren sogar bis zu 10 Millionen Verträge für möglich. Grundlage ist eine Online-Befragung von 1.013 Förderberechtigten im April 2026
Das Wichtigste in Kürze
- Von rund 44 Millionen Förderberechtigten in Deutschland kennen bereits 58 Prozent das Altersvorsorgedepot.
- Ein Drittel derjenigen, die das Produkt kennen, kann sich einen Abschluss vorstellen. Daraus errechnet die Studie 4,5 Millionen Verträge für 2027.
- Zahlen die Sparer im Schnitt rund 100 Euro pro Jahr ein, ergibt das plus Zulagen ein jährliches Sparvolumen von etwa 7 Milliarden Euro.
- Trotz höherer Renditechancen bevorzugt die Mehrheit Sicherheit: Nur 9 Prozent würden garantiefrei anlegen, 44 Prozent wählen eine 80-Prozent-Garantie, 32 Prozent die volle Kapitalgarantie.
- Bis zu 64,8 Milliarden Euro aus bestehenden Riester-Verträgen könnten ins neue System umgeschichtet werden.
Worauf sich die Prognose stützt
Laut Altersvorsorgereformgesetz (2026) sind pro Person maximal zwei Altersvorsorgedepots gleichzeitig erlaubt. In jeden Vertrag können Sie bis zu 6.840 € pro Jahr einzahlen. Bei zwei Verträgen liegt Ihr maximales jährliches Einzahlungsvolumen damit bei 13.680 €.
Beim dritten Vertrag ändert sich die rechtliche Lage grundlegend. Er gilt nicht mehr als zertifizierter Altersvorsorgevertrag und wird deshalb nicht staatlich gefördert. Die Zwei-Vertrags-Grenze ist also eine harte gesetzliche Schranke und keine Empfehlung.
Interesse ist da, doch die Bekanntheit hat Grenzen
Dass 58 Prozent der Berechtigten das Altersvorsorgedepot schon kennen, ist für ein Produkt, das es noch gar nicht zu kaufen gibt, bemerkenswert. Die Aufmerksamkeit stammt vor allem aus der Berichterstattung rund um das Gesetzgebungsverfahren. Gleichzeitig heißt das im Umkehrschluss: Vier von zehn Förderberechtigten haben noch nie davon gehört.
Für Sie als jemanden, der sich bereits informiert, ist das eher eine gute Nachricht. Wer die Regeln früh kennt, trifft beim Start eine überlegte Entscheidung, statt sich erst beim Abschluss durch die Angebote zu kämpfen. Wie das Altersvorsorgedepot im Detail funktioniert, erklärt unser Beitrag Wie funktioniert das Altersvorsorgedepot?.
Die Mehrheit will Sicherheit, nicht die volle Aktienquote
Ein Ergebnis der Studie überrascht mit Blick auf die oft betonten Renditechancen: Nur 9 Prozent der Befragten würden ihr Geld ohne jede Garantie anlegen. Die klare Mehrheit setzt auf Sicherheit. 44 Prozent bevorzugen eine 80-Prozent-Garantie mit mittleren Renditechancen, 32 Prozent wollen ihr eingezahltes Kapital vollständig abgesichert wissen.
Das zeigt eine Spannung, die viele Sparer kennen: Der Kopf weiß, dass ein langer Anlagehorizont Schwankungen ausgleicht, das Bauchgefühl verlangt trotzdem nach Sicherheit. Beide Wege sind im Altersvorsorgedepot möglich. Welche Beitragsgarantie zu Ihnen passt, hängt vor allem davon ab, wie viele Jahre Ihnen bis zur Rente bleiben. Eine Einordnung dazu finden Sie in unserem Beitrag Vorteile und Nachteile des Altersvorsorgedepots.
Kurz zusammengefasst: Höhere Renditechancen ja, aber mit Absicherung. Nur eine kleine Minderheit will komplett auf eine Garantie verzichten. Das Altersvorsorgedepot lässt beide Haltungen zu.
Riester gerät unter Druck
Die Studie beziffert auch, wie viel Kapital in Bewegung geraten könnte. Bis zu 64,8 Milliarden Euro und damit mehr als ein Viertel des rund 225 Milliarden Euro schweren Riester-Bestands könnten in das neue Fördersystem wandern. Das ist für Bestandskunden vor allem eine Erinnerung daran, die eigene Situation zu prüfen.
Ein Wechsel ist kein Automatismus und nicht für jeden sinnvoll. Bestehende Riester-Verträge laufen mit voller Förderung weiter. Ob sich eine Übertragung ins Altersvorsorgedepot für Sie lohnt, hängt von Vertrag, Kosten und Restlaufzeit ab. Die wichtigsten Punkte dazu finden Sie auf unserer Seite Riester-Wechsel.
Was bringt Ihnen das Altersvorsorgedepot?
Förderung, Steuervorteil und möglicher Depotwert in unter einer Minute und mit Ihren eigenen Zahlen.
Was Sie aus den Zahlen mitnehmen sollten
Prognosen sind keine Garantie, und eine Studie ersetzt keine eigene Entscheidung. Trotzdem lässt sich aus den Ergebnissen etwas Praktisches ableiten. Der Andrang zum Start dürfte groß sein, und mit ihm der Wettbewerb um Kunden. Für Sie ist das eine Chance: Wo viele Anbieter um dieselben Sparer werben, entsteht Druck auf Kosten und Konditionen.
Genau hier liegt der Unterschied zwischen einem guten und einem mittelmäßigen Abschluss. Die Studie rechnet mit einem durchschnittlichen Sparbeitrag von rund 1.100 Euro pro Jahr. Über Jahrzehnte macht es einen großen Unterschied, ob dieses Geld in einem günstigen Depot oder in einem teuren Produkt liegt. Wenn Sie sich vorher informieren und die Konditionen vergleichen, fahren Sie in dieser ersten Welle deutlich besser.
Fazit
Die Studie von Sirius Campus zeichnet ein klares Bild: Das Interesse am Altersvorsorgedepot ist hoch, der Start 2027 wird wohl mit Millionen Abschlüssen einhergehen, und selbst der Riester-Bestand gerät in Bewegung. Für Sie zählt am Ende ohnehin weniger die große Zahl als die Frage, was zu Ihrer Situation passt. Kennen Sie die Regeln jetzt und vergleichen beim Start die Konditionen, sind Sie klar im Vorteil.
Die ersten Anbieter starten am 1. Januar 2027. Wir informieren Sie, sobald die Produkte live sind, damit Sie direkt vergleichen können.
Quellen: Sirius Campus, „Prognose zum Altersvorsorge-Depot: 4,5 Mio. Abschlüsse in 2027″ (siriuscampus.de); Bundesfinanzministerium, FAQ zur Reform der privaten Altersvorsorge
FAQ zur Studie zum Altersvorsorgedepot
Wie viele Altersvorsorgedepots werden 2027 erwartet?
Die Studie „Altersvorsorge im Aufbruch” von Sirius Campus prognostiziert für das Startjahr 2027 rund 4,5 Millionen Abschlüsse. Gehen die Anbieter aktiv auf ihre Kunden zu und vermarkten das Produkt intensiv, halten die Autoren bis zu 10 Millionen Verträge für möglich.
Wer steht hinter der Prognose?
Die Untersuchung stammt vom Marktforschungsinstitut Sirius Campus, fachlich unterstützt vom Vorsorgespezialisten Aeiforia. Grundlage ist eine Online-Befragung von 1.013 repräsentativ ausgewählten Förderberechtigten im April 2026.
Wie verlässlich ist eine solche Zahl?
Es handelt sich um eine Prognose, nicht um eine Garantie. Die Studie rechnet allerdings vorsichtig: Sie zieht die sogenannte Intentions-Umsetzungs-Lücke ab, also den Erfahrungswert, dass nur etwa ein Drittel der geäußerten Absichten tatsächlich umgesetzt wird. Die 4,5 Millionen sind damit eher konservativ als optimistisch gerechnet.
Wollen die meisten Sparer wirklich in ETFs investieren?
Laut Studie nicht ohne Absicherung. Nur 9 Prozent der Befragten würden garantiefrei anlegen. 44 Prozent bevorzugen eine 80-Prozent-Garantie, 32 Prozent eine volle Kapitalgarantie. Das Sicherheitsbedürfnis ist also hoch, obwohl das Altersvorsorgedepot auch eine reine ETF-Anlage erlaubt.
Was bedeutet die Studie für meinen Riester-Vertrag
Die Autoren schätzen, dass bis zu 64,8 Milliarden Euro aus Riester-Verträgen ins neue System wandern könnten. Ein Wechsel ist aber kein Muss. Bestandsverträge laufen mit voller Förderung weiter. Ob sich eine Übertragung für Sie lohnt, sollten Sie individuell prüfen.
Über den Autor
Rolf Henning Hackel
Jurist & Finanzmarktexperte · AVD Anbieter Vergleich
Rolf Henning Hackel ist Diplom-Jurist und seit über 22 Jahren als Vorstand und Geschäftsführer für unterschiedliche Softwaredienstleister der Finanzbranche sowie als Unternehmensgründer tätig. Als absoluter Marktexperte kennt er nicht nur die verschiedenen Anbieter, sondern auch die Produkte der Finanzindustrie mit ihren Stärken und Schwächen sowie deren regulatorischen Rahmen. Beim AVD Anbieter Vergleich schreibt er über das neue Altersvorsorgedepot und erklärt Förderung, Anbieter und Renditechancen in verständlichen Worten – unabhängig und werbefrei.