Das Altersvorsorgedepot aus Sicht einer B2B-Plattform – Interview mit der FFB

Michael Müller, Head of Partner & Adviser Sales bei der FIL Fondsbank (FFB)

10 Fragen an Michael Müller – ein Experteninterview

Die FIL Fondsbank (FFB) geht das Altersvorsorgedepot als B2B-Plattform an, über Makler, Pools und Vermögensverwalter statt direkt beim Endkunden. Michael Müller, Head of Partner & Adviser Sales, erklärt im Interview, wie die FFB Standard- und Premium-Modell aufstellt, was hinter dem Altersvorsorgedepot Select steckt und warum er das Geschäft für ein strategisches Wachstumsfeld hält.

Die FFB positioniert sich als B2B-Depotplattform für Makler, Pools und Vermögensverwalter. Wie unterscheidet sich Ihre Rolle beim Altersvorsorgedepot von reinen Direktanbietern, die sich an Endkunden wenden?

Unser Fokus liegt darauf, Maklern, Pools, Banken, Vermögensverwaltern und Versicherungen eine ganzheitliche Altersvorsorgelösung auf Investmentbasis zur Verfügung zu stellen. Dabei übernehmen wir nicht nur die Depotführung, sondern auch die Produktanbieterfunktion, Vermögensverwaltung, das Zulagenmanagement und die Zertifizierung. Gleichzeitig sind wir überzeugt, dass Altersvorsorge kein Thema ist, bei dem Kunden allein gelassen werden sollten. Gerade wenn bestehende Vorsorgeverträge, die individuelle Vermögenssituation und persönliche Lebensumstände berücksichtigt werden müssen, ist fundierte Beratung entscheidend. Genau hier unterscheiden wir uns von reinen Direktanbietern: Wir setzen bewusst auf die Expertise qualifizierter Berater, um Kunden bei einer komplexen und langfristig wichtigen Entscheidung bestmöglich zu begleiten.

Sie planen ein Premium-Modell mit aktiv gesteuertem Gleitpfad und ein kostengünstiges Standardprodukt. Warum setzen Sie beim Premium-Modell auf aktives Management statt auf eine rein regelbasierte Umschichtung?

Das Standardprodukt ist keine starre oder rein indexbasierte Lösung. Der Kunde kann seinen Risikoappetit innerhalb vorgegebener Grenzen selbst festlegen und damit Einfluss auf seine Anlagestrategie nehmen. Gleichzeitig sieht das Konzept bereits den Einsatz aktiv gemanagter ETFs vor, sodass auch hier Anpassungen an unterschiedliche Marktphasen möglich sind. Das Vorsorgedepot Plus (Premium-Modell) geht darüber hinaus und eröffnet durch ein breiteres Anlageuniversum zusätzliche Steuerungsmöglichkeiten. Ein wesentlicher Bestandteil ist zudem der Gleitpfad, der das Portfolio mit zunehmender Nähe zur Auszahlungsphase schrittweise an das veränderte Risikoprofil des Kunden anpasst. So bieten wir sowohl eine kostengünstige Standardlösung mit professioneller Steuerung als auch eine stärker individualisierte Altersvorsorgelösung für Kunden mit weitergehenden Anforderungen.
„Für uns ist das Altersvorsorgedepot ein strategisches Wachstumsfeld."

Der gesetzliche Kostendeckel für Standarddepots liegt bei 1,0 Prozent. Wie lässt sich ein aktiv gemanagtes Premium-Produkt mit Gleitpfad wirtschaftlich darstellen, wenn der Markt gleichzeitig auf diesen engen Kostenrahmen schaut?

Aus unserer Sicht erfüllen das FFB Vorsorgedepot (Standard)- und das Vorsorgedepot Plus (Premium) unterschiedliche Kundenbedürfnisse. Das Standardprodukt soll einen einfachen und kostengünstigen Zugang ermöglichen. Das Premium-Modell richtet sich an Kunden, die bewusst zusätzliche Leistungen und eine aktive Steuerung ihrer Altersvorsorge wünschen. Entscheidend ist, dass Kosten und Mehrwert in einem ausgewogenen Verhältnis stehen und der Kunde eine transparente Wahlmöglichkeit hat.

Für 2027 ist zusätzlich eine Option namens Altersvorsorgedepot Select geplant, bei der Berater selbst Fonds für ihre Kunden auswählen können. Nach welchen Kriterien wird das zugrunde liegende Fondsuniversum kuratiert, und bleibt dieses offen für Fondsgesellschaften außerhalb von Fidelity?

Unser Ziel ist es, Beratern ein qualitativ hochwertiges und breit diversifiziertes Fondsuniversum zur Verfügung zu stellen. Bei der Auswahl werden Kriterien wie Qualität des Investmentprozesses, Risikomanagement, langfristige Stabilität und operative Eignung eine wesentliche Rolle spielen. Dabei verfolgen wir grundsätzlich einen offenen Plattformansatz und möchten den Beratern eine attraktive Auswahl an Lösungen bieten.

Sie wollen die Plattform ab 2027 auch für unabhängige Vermögensverwalter öffnen. Welche regulatorischen, vertraglichen oder technischen Fragen müssen dafür noch geklärt werden?

Wir sehen Vermögensverwaltungslösungen grundsätzlich als eine sehr sinnvolle Ergänzung der Select-Lösung und prüfen aktuell intensiv, wie wir entsprechende Modelle in das Altersvorsorgedepot integrieren können.

Aus unserer Sicht bieten Vermögensverwaltungslösungen viele Vorteile. Sie ermöglichen eine professionelle und kontinuierliche Betreuung der Kundenportfolios und sind gleichzeitig für Vertriebspartner deutlich effizienter und besser skalierbar als rein beratungsbasierte Modelle nach § 34f GewO.

Deshalb beschäftigen wir uns sehr intensiv mit diesem Thema. Unser Ziel ist es, unseren Partnern langfristig ein möglichst breites Spektrum an Lösungen anzubieten, das unterschiedliche Beratungs- und Betreuungsansätze sinnvoll abdeckt.

FFB übernimmt für Partner auch Zulagenmanagement und Zertifizierung der Produkte. Wie aufwendig ist dieser administrative Teil des Altersvorsorgedepots im Vergleich zum bisherigen Fondsgeschäft?

Die Anforderungen gehen deutlich über das klassische Fondsgeschäft hinaus. Gerade darin sehen wir aber einen wichtigen Mehrwert für unsere Partner. Unser Anspruch ist es, die damit verbundenen administrativen und regulatorischen Aufgaben möglichst effizient zentral abzuwickeln, damit sich Berater und Vertriebspartner auf die Betreuung ihrer Kunden konzentrieren können.

2023 wurde ein Verkauf der FFB geprüft, inzwischen aber verworfen. Wie beeinflusst diese Episode das Vertrauen von Vertriebspartnern, die sich jetzt langfristig auf FFB als Plattform für das Altersvorsorgedepot verlassen sollen?

Unsere Partner erwarten vor allem Verlässlichkeit, Investitionsbereitschaft und eine langfristige Perspektive. Dass Fidelity sich klar zur FFB bekennt und gleichzeitig in neue Wachstumsfelder wie das Altersvorsorgedepot investiert, ist aus unserer Sicht ein deutliches Signal für die Zukunft der Plattform. Das Feedback unserer Partner zeigt, dass diese langfristige Ausrichtung geschätzt wird.

Welche Bedeutung soll das Altersvorsorgedepot-Geschäft mittelfristig für FFB und die gesamte Fidelity-International-Gruppe in Deutschland haben? Sprechen wir hier über ein Nischenprodukt oder über ein strategisches Wachstumsfeld mit entsprechendem Ausbau von Personal und verwaltetem Vermögen?

Für uns ist das Altersvorsorgedepot ein strategisches Wachstumsfeld. Wir sind überzeugt, dass die kapitalmarktorientierte Altersvorsorge in Deutschland deutlich an Bedeutung gewinnen wird. Deshalb investieren wir gezielt in dieses Geschäft, bauen die erforderlichen Ressourcen und Kapazitäten auf und erwarten in den kommenden Jahren ein entsprechendes Wachstum bei Kunden, Vermögen und Geschäftsvolumen. Gleichzeitig passt dieses Thema perfekt zur DNA von Fidelity als einem der weltweit führenden Altersvorsorgespezialisten.

Der Starttermin ist der 1. Januar 2027. Wie weit ist die technische Anbindung an große Maklerpool-Partner und die interne Plattform-Infrastruktur aktuell fortgeschritten?

Wir sind bereits in der Umsetzungs- und Integrationsphase. Der Schwerpunkt liegt aktuell auf Partneranbindungen, API-Integrationen und digitalen Onboarding-Strecken für den Marktstart zum 1. Januar 2027. Mehrere Vertriebspartner befinden sich bereits in konkreten Integrations- oder Vorbereitungsphasen. Bei einzelnen Partnern wurden API-Spezifikationen bereitgestellt, Workshops durchgeführt oder Testvorbereitungen gestartet. Gleichzeitig stellen wir über digitale Onboarding-Lösungen sicher, dass Partner auch ohne vollständige Systemintegration frühzeitig starten können.

Auf der Plattformseite bauen wir auf einer bestehenden Infrastruktur auf. Die FFB verfügt bereits über etablierte Depot- und Serviceprozesse. Für das Altersvorsorgedepot erweitern wir diese um die neuen Anforderungen der Vorsorgewelt und schaffen eine skalierbare Infrastruktur für den Marktstart und das weitere Wachstum.

Wenn Sie einen Wunsch an die Politik für die anstehende Verordnungs- und Umsetzungsphase frei hätten: Was müsste aus Sicht einer B2B-Depotplattform noch nachgeschärft werden, damit das Altersvorsorgedepot für Vertriebspartner und Endkunden gleichermaßen funktioniert?

Unser wichtigster Wunsch an die Politik ist Planungssicherheit. Anbieter, Plattformen und Vertriebspartner investieren aktuell erhebliche Ressourcen in die Umsetzung. Dafür brauchen wir frühzeitig klare und stabile Rahmenbedingungen, damit alle Beteiligten verlässlich planen können.

 

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Über den Experten

Michael Müller

Head of Partner & Adviser Sales, Prokurist

Michael Müller ist bei der FIL Fondsbank (FFB), der unabhängigen Plattform von Fidelity International, als Head of Partner & Adviser Sales verantwortlich für den Vertrieb und fungiert mit seinem Team als zentraler Ansprechpartner für Pools, IFAs, Vermögensverwalter, Banken und Versicherungen.

Er ist gelernter Bankkaufmann und hat sein Studium an der Goethe-Universität Frankfurt am Main als Diplom-Kaufmann abgeschlossen. Vor seinem Wechsel zur FFB im Jahr 2014 war er 15 Jahre beim Bankhaus Metzler tätig, zuletzt als Abteilungsdirektor, wo er die Weiterentwicklung des Produktangebots der Investmentplattform Metzler Fund Xchange verantwortete.

Schwerpunkte

Strategische Vertriebsfragen und Business Development im Bereich Investmentplattformen. Digitale und prozessuale Integration der hauseigenen Depotbanksysteme und APIs mit externen Vertriebsstellen (Pools, Vermögensverwalter, Banken, Versicherungen, Fintechs). Regulatorik und Abwicklungsmodalitäten im Wertpapiergeschäft.